Ökonomen fordern von Merkel in Brüssel Einsatz für den Brexit-Deal

Vor dem entscheidenden EU-Gipfel : Ökonomen fordern von Merkel in Brüssel Einsatz für den Brexit-Deal

Berlin (mar) Deutsche Spitzenökonomen haben an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert, auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag für den angestrebten Brexit-Kompromiss der EU-Kommission mit Großbritannien zu werben.

„Einen geregelten Brexit zu erreichen ist für ganz Europa von grundlegender Bedeutung, weil er eine zentrale Grundlage für die künftige Zusammenarbeit zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU sein wird“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest unserer Redaktion. „Für Deutschland ist er besonders bedeutend, weil das Vereinigte Königreich einer unserer wichtigsten Handelspartner ist“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. „Hinzu kommt dass die Konjunktur in Deutschland derzeit fragil ist, so dass ein negativer Impuls durch einen harten Brexit derzeit besonders schädlich wäre“, warnte Fuest. „Deutschland sollte sich daher dafür einsetzen, dass es zu einer Einigung kommt. Dafür müssen beide Seiten Kompromissbereitschaft zeigen“, sagte Fuest.

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warb für einen Kompromiss mit Großbritannien ohne weitere Zeitverluste. „Die Unsicherheit über den Brexit verursacht bereits jetzt signifikanten Schaden für die deutsche Wirtschaft“, sagte Fratzscher unserer Redaktion. Die stärkste Abschwächung der Exporte hätten deutsche Unternehmen nach Großbritannien und Irland erfahren müssen. „Ein geregelter Brexit ist besser als ein ungeregelter“, sagte Fratzscher. Der größte wirtschaftliche Schaden entstehe für Deutschland und Europa durch eine weitere Verlängerung der Brexit-Hängepartie, die enorme Unsicherheit für Unternehmen schaffe.

Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, verwies dagegen auf die hohe Anpassungsfähigkeit deutscher Unternehmen. „Es stimmt, dass Deutschland durch die Lieferverflechtungen in der EU am stärksten durch den Brexit betroffen ist“, sagte Hüther. „Allerdings sollte die Anpassungsflexibilität der Unternehmen nicht unterschätzt werden“, sagte der IW-Chef. Der Handel zwischen Großbritannien und Deutschland sei bereits erheblich geschrumpft. „Die Eskalation der Brexit-Verhandlungen seit Jahresende 2018 sollte zudem die Unternehmen veranlasst haben, sich effektiv auf einen harten Brexit einzustellen“, sagte Hüther. „Die deutsche Politik ist deshalb nicht gefordert, besonders kompromissbereit zu sein. Denn die Politik muss auch die dauerhafte Funktionalität der EU im Auge haben“, sagte Hüther.

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