Protest gegen Sparpolitik bei Pensionen Öffentlicher Dienst in Großbritannien streikt

London · Aus Protest gegen die Sparpläne der Regierung sind in Großbritannien die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes am Mittwoch in einen eintägigen Streik getreten. Sie protestierten gegen das Vorhaben, die Pensionen neu zu ordnen.

Der öffentliche Dienst in Großbritannien streikt
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Angesichts leerer öffentlicher Kassen soll das Rentenalter früher als geplant auf 67 Jahre heraufgesetzt und die Rentenbeiträge sollen erhöht werden. Der Ausstand wurde als der größte seit Jahrzehnten angekündigt.

Die Reform der Pensionen ist Teil eines Sparpakets, mit dem die Regierung die hohen Schulden des Landes in den Griff bekommen will. Deshalb sollen die Altersbezüge im öffentlichen Dienst künftig weniger großzügig ausfallen.

Das Erziehungsministerium erwartete, dass die Hälfte der Schulen geschlossen blieb. Reisende auf den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick mussten sich auf längere Wartezeiten bei der Einreise einstellen.

Verzögerungen bei der Gesundheitsversorgung

Die Regierung ging davon aus, dass in den Kliniken Englands 60.000 nicht dringende Operationen, Untersuchungen und Folgetermine verschoben werden mussten. In Schottlands Krankenhäusern seien mindestens 3.000 Operationen und Tausende weitere Termine betroffen.

Der Streik wurde als größte Arbeitskampfmaßnahme seit dem sogenannten "Winter der Unzufriedenheit" im Jahre 1979 angekündigt. Damals kündigte sich der Beginn der Ära Margaret Thatchers als Premierministerin an.

"Ich bin wütend, dass ich 50 Prozent mehr Pensionsbeiträge zahlen soll, und ich bin wütend, dass ich länger arbeiten soll und am Ende weniger bekomme", sagte ein Polizist in Liverpool. "Hoffentlich ändert die Regierung ihre Haltung.

Die Situation wurde durch die Regierung und die Banker herbeigeführt, und die Leute, die jetzt zahlen sollen, sind die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes", fügte er hinzu. Gewerkschaftsführer kritisierten, die Maßnahmen erschwerten nur die Lösung des Pensionsproblems.

Schatzkanzler warnt vor Arbeitsplatzverlusten

Schatzkanzler George Osborne versicherte, die Regierung werde sich nicht beugen. "Der Streik wird nichts bewirken", sagte Osborne. "Er wird nur unsere Wirtschaft schwächen und möglicherweise Arbeitsplätze kosten."

Am Dienstag hatte Osborne ein düsteres Bild der Wirtschaftslage gezeichnet. Die offizielle Wachstumsprognose von 2,5 Prozent im kommenden Jahr wurde auf magere 0,7 Prozent nach unten korrigiert. Die britische Wirtschaft könnte auch in eine Rezession abgleiten, wenn sich die Finanzkrise der 17 Eurostaaten verschlimmere. Dann müsste die Regierung höhere Schulden aufnehmen als zuvor erwartet.

Um wieder in die Spur zu kommen, kündigte Osborne weitere Ausgabensenkungen und Drosselungen bei den Bezügen im öffentlichen Dienst an. Derzeit sind die Bezüge im öffentlichen Sektor eingefroren, und Osborne sagte, Erhöhungen würden danach auf ein Prozent begrenzt. Die Inflationsrate liegt derzeit bei einem Prozent.

(APD)
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