Präsidentenwahl in Ägypten: Nur ein einziger Mann fordert Al-Sisi heraus

Präsidentenwahl in Ägypten: Nur ein einziger Mann fordert Al-Sisi heraus

Nur zwei Kandidaten treten bei der ägyptischen Präsidentschaftswahl im Mai an. Den frühere Armeechef Abdel Fattah al-Sisi fordert der linksgerichtete Politiker Hamdin Sabahi heraus. Er gilt als chancenlos. Um Al-Sisi entwickelt sich ein regelrechter Persönlichkeitskult.

Keine weiteren Bewerber hätten die nötigen Unterlagen eingereicht, teilte die Wahlkommission am Sonntag mit. Al-Sisi, der im vergangenen Juli den ersten demokratisch gewählten Präsidenten Ägyptens, Mohammed Mursi, abgesetzt hatte, gilt als eindeutiger Favorit.

Abdel Fattah al-Sisi ist bei den Präsidentschaftswahlen haushoher Favorit. Foto: dpa, mkx jhe axs lof

Al-Sisi habe 188 930 Unterschriften von Unterstützern gesammelt, sagte ein Sprecher der Wahlkommission. Für ein Antreten zur Wahl wären 25 000 nötig gewesen. Sabahi kam demnach auf 31 555.

Bei der Präsidentenwahl 2012 waren noch 13 Kandidaten aller Couleurs angetreten, darunter auch Mursi und Sabahi, der Dritter wurde. Mursi hatte durch die straffe Organisation seiner Muslimbruderschaft die Unterstützung der Islamisten, Sabahi war der Kandidat der Säkularen und Jungen.

Beobachter werteten die geringe Zahl der Kandidaten bei der jetzigen Wahl als weiteres Zeichen zunehmender Demokratiedefizite in Ägypten.
Die Justiz des Landes war nach dem Sturz Mursis massiv gegen dessen Muslimbruderschaft und auch gegen andere Dissidenten vorgegangen.

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Gleichzeitig entwickelte sich um Al-Sisi ein regelrechter Persönlichkeitskult. Sein Foto ist auf Mauern im ganzen Land plakatiert, in staatlichen und privaten Medien wird er als Retter der Nation gefeiert.

Das Team Sabahis beklagte sich über Einschüchterungsversuche während der Sammlung der Unterschriften und warf den Behörden vor, sich auf die Seite Al-Sisis zu schlagen.

Der Wahlkampf beginnt am 2. Mai mit der offiziellen Präsentation der Kandidatenliste durch die Wahlkommission. Die Präsidentschaftswahl findet am 26. und 27. Mai statt. Anschließend soll eine Parlamentswahl folgen. Nach dem Sturz Mursis war eine vom Militär gestützte Übergangsregierung installiert worden.

(ap)
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