Nordkoreas Botschafter in Berlin warnt USA vor Manöver

Diplomat gibt seltenes Interview mit deutschem Medium : Nordkoreas Botschafter in Berlin warnt USA vor Manöver

In einem seltenen Interview hat der nordkoreanische Botschafter in Berlin, Ri Si Hong, den Stopp des geplanten Militärmanövers von Südkorea und den USA verlangt. Die USA wollten die koreanische Halbinsel destabilisieren, "um ganz Korea in ihre Hand zu bekommen und die anderen Großmächte zu bezwingen".

Das sagte Ri der "Saarbrücker Zeitung". Südkorea dürfe durchaus Manöver abhalten - aber ohne die USA: "Wir haben Südkorea nicht aufgefordert, seine eigenen, normalen Militärübungen aufzugeben."

Der Botschafter ließ offen, wie Pjöngjang reagieren werde, wenn das gemeinsame US-südkoreanische Manöver doch stattfindet. "Jetzt sollten alle Seiten sich darauf konzentrieren, die Spannungen zu verringern." Das gemeinsame Manöver ist für Ende Februar geplant. Die alljährliche Militärübung führt immer wieder zu Protestaktionen Nordkoreas.

Ri warb in dem Interview für die Entspannungsbemühungen seiner Regierung. "Südkoreaner und Amerikaner sollten jetzt eine mutige Entscheidung treffen und sich mit uns an einen Tisch setzen, dann werden sie sehen, ob wir es ernst meinen oder nicht." Nordkorea habe einseitig bereits alle militärischen Aktivitäten eingestellt, "die die andere Seite reizen könnten".

Botschafter soll selbst um Interview gebeten haben

Zu der Hinrichtung eines führenden nordkoreanischen Kaders sagte Ri, durch die "Beseitigung von Jang Song Thaek und seiner Bande" sei ein Umsturzversuch verhindert worden. Jetzt könne sich die Lage wieder normalisieren und der Aufbau der Wirtschaft wieder Fortschritte machen. Jang Song Thaek, der Onkel von Machthaber Kim Jong Un, war Anfang Dezember nach einem kurzen Prozess vor einem militärischen Sondertribunal hingerichtet worden.

Der nordkoreanische Botschafter hatte nach Angaben der "Saarbrücker Zeitung" selbst um das Interview ersucht - offenbar als Teil einer nordkoreanischen Charme-Offensive. In der vergangenen Woche hatten bereits die Botschafter in London und Peking ähnliche Interviews gegeben.

Bei dem Gespräch durften dem Blatt zufolge nur Fragen gestellt werden, die im Zusammenhang mit der Entspannungsinitiative standen; allerdings sei dies breit ausgelegt worden und Zusatz- und Nachfragen seien beantwortet worden. Nach Angaben der Zeitung war es das erste Interview von Ri mit einem deutschen Medium.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kim Jong Un lässt seinen Onkel abführen

(AFP)
Mehr von RP ONLINE