Nordkorea: Kim Jong Un nennt Donald Trump geistesgestört und senil

Neue Wortgefechte : Nordkoreas Machthaber Kim nennt Trump geistesgestört und senil

Nachdem Donald Trump den Nordkoreaner vor der UN-Vollversammlung "Raketenmann" nannte, bezeichnete Kim Jong Un den US-Präsidenten als geistesgestört und kündigte Vergeltung an. Angeblich soll Nordkorea erwägen, eine weitere Wasserstoffbombe zu testen.

In seiner Reaktion auf Trumps jüngste Drohungen von "totaler Vernichtung" sparte der nordkoreanische Machthaber nicht an drastischer Rhetorik: "Ich werde den geistig umnachteten senilen Amerikaner sicher und endgültig mit Feuer bändigen", erklärte Kim in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA am Freitag verbreiteten Mitteilung. Trumps Äußerungen seien "die grimmigste Kriegserklärung in der Geschichte". Sie hätten ihn aber nicht eingeschüchtert und würden ihn auch nicht aufhalten, betonte Kim. Er sei viel mehr überzeugt, den richtigen Pfad gewählt zu haben und dass er diesem Weg bis zum Schluss folgen müsse.

Trump werde für seine Rede vor den Vereinten Nationen "teuer bezahlen", kündigte der nordkoreanische Machthaber weiter an. Jetzt, da der US-Präsident ihn und sein Land vor den Augen der Welt beleidigt habe, ziehe Nordkorea ernsthaft in Erwägung, eine "harte Gegenmaßnahme auf höchstem Niveau in der Geschichte" auszuüben. Welche Schritte er konkret ergreifen werde, sagte Kim zunächst nicht.

Am 19. September steigt der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho am Flughafen von Peking in ein Auto ein. Er hatte Trumps UN-Rede als "Hundegekläff" bezeichnet. Foto: ap, MAS

Einem Medienbericht zufolge soll Nordkorea inzwischen mit dem Gedanken spielen, eine Wasserstoffbombe auf dem Pazifischen Ozean zu testen. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag berichtete, sagte Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho, er glaube, sein Land könne einen solchen Test im bislang nicht dagewesenen Ausmaß in Erwägung ziehen. Ri sagte dies auf die Frage, was Machthaber Kim Yong Un gemeint habe, als er nach der Drohung von US-Präsident Donald Trump von harten Gegenmaßnahmen gesprochen habe. Er wisse aber nicht genau, was Kim vorhabe.

Trump hatte Nordkorea am Dienstag in einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York mit "totaler Vernichtung" gedroht. In Anspielung auf Kims Raketentests sagte er: "Der Raketenmann ist auf einer Selbstmordmission für sich selbst und sein Regime." Am Donnerstag ordnete Trump per Dekret neue Sanktionen gegen Nordkorea an.

Trumps Drohungen hatten am Donnerstag bereits für heftige Reaktionen gesorgt. Der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho sagte am Rande der UN-Generaldebatte in New York: "Wenn sie versuchen, uns mit dem Klang eines Hundegebells zu schockieren, dann haben sie eindeutig den Traum eines Hundes."

Kritik rief Trumps Rede aber auch unter den Verbündeten hervor. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der Deutschen Welle: "Ich bin gegen eine solche Drohung". Sie halte "jede Art von militärischer Lösung für absolut unangemessen" und setze stattdessen auf diplomatische Bemühungen. In dieser Frage gebe es "einen klaren Dissens" mit Trump.

Der amerikanische Präsident Donald Trump droht Nordkorea mit "totaler Zerstörung", falls es Amerika oder amerikanische Verbündete angreifen sollte. Foto: ap, RED

Auch Simbabwes Langzeitpräsident Robert Mugabe attackierte in seiner diesjährigen Ansprache vor den Vereinten Nationen den US-Präsidenten wegen seiner Drohungen gegen Nordkorea: "Einige von uns waren peinlich berührt, wenn nicht gar verängstigt von der scheinbaren Rückkehr des biblischen Giganten Goliath", sagte der 93-jährige am Donnerstag bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung.

"Sehen wir die Rückkehr Goliaths in unsere Mitte, der mit der Auslöschung anderer Länder droht?" Goliath ist eine Krieger-Figur aus dem Alten Testament. Mugabe, der Simbabwe seit Jahrzehnten autoritär regiert, richtete sich auch direkt an Trump und sagte: "Bitte blasen Sie ihre Trompete doch auf eine musikalische Art und Weise in Richtung der Werte der Einheit, des Friedens, der Kooperation, des Zusammenhalts und des Dialogs."

Nordkorea hatte die Weltgemeinschaft in den vergangenen Wochen nicht nur mit seinem sechsten Atomwaffentest, sondern auch mit Raketentests in Unruhe versetzt. Der Konflikt mit dem ostasiatischen Land steht deshalb im Zentrum des derzeitigen einwöchigen Treffens von Staatenlenkern aus aller Welt am UN-Hauptquartier in New York.

(sbl)