Nordkorea feuert Raketen ab - USA reagiert

Ins Meer geflogen : Nordkorea feuert Raketen ab - USA „beobachten die Situation“

Nordkorea hat nach Angaben Südkoreas „etliche“ Raketen mit kurzer Reichweite abgefeuert. Die Geschosse seien bis zu 200 Kilometer weit geflogen, ehe sie im Meer gelandet seien. Die USA haben bereits reagiert.

Zuvor hatte Südkorea gemeldet, der Norden habe eine Kurzstreckenrakete von der an der Ostküste Nordkoreas gelegenen Hafenstadt Wonsan aus abgefeuert. Südkorea verstärkte für den Fall weiterer Waffentests seinen Überwachungsapparat.

Für Japan bestehe keine Sicherheitsgefahr, da die Geschosse nicht einmal in die Nähe des Staatsgebiets gelangt seien, teilte das Verteidigungsministerium in Tokio mit. In Washington sagte Regierungssprecherin Sarah Sanders, die USA hätten Nordkoreas Aktionen zur Kenntnis genommen und beobachteten die Situation.

Sollte sich bestätigen, dass Nordkorea verbotene ballistische Raketen abfeuerte, wäre es der erste derartige Vorgang seit November 2017. Damals hatte das isolierte Land eine interkontinentale ballistische Rakete getestet. Im Jahr 2017 hatte Pjöngjang gleich eine Serie von Waffentests ausgeführt und damit eine martialische Reaktion von US-Präsident Donald Trump provoziert, die bei vielen Experten die Sorge vor einem Krieg in der Reaktion befeuerte.

Später schwenkten Nordkorea und USA auf einen Kurs der diplomatischen Annäherung ein. Machthaber Kim Jong Un erklärte damals, sein Land werde auf Tests mit Kernwaffen und interkontinentalen ballistischen Raketen verzichten. Beobachter gehen davon aus, dass der mutmaßliche Einsatz von Kurzstreckengeschossen nicht gegen den selbst auferlegten Stopp verstößt. Vielmehr könnte es sich um dezente Provokationen Pjöngjangs halten, um in den festgefahrenen Atomverhandlungen Druck auf Washington auszuüben.

Nordkorea pocht auf umfassende Lockerungen der lähmenden Sanktionen im Gegenzug für nukleare Abrüstungsschritte, die die USA allerdings als unzureichend abgelehnt haben. An dem Streitpunkt scheiterte auch Ende Februar der zweite Gipfel von Trump und Kim in Hanoi. Seitdem zeigte sich Pjöngjang zunehmend frustriert. Erst im April meldete es einen Test einer nicht näher genannten „taktischen Lenkwaffe“. Zudem forderte Nordkorea den Rückzug von US-Außenminister Mike Pompeo aus den Atomgesprächen und übte Kritik am nationalen Sicherheitsberater John Bolton.

Das Büro von Südkoreas Präsident Moon Jae In äußerte sich zunächst nicht zu den jüngsten Aktionen im Norden. Der liberale Staatschef gilt als treibende Kraft hinter der Annäherung an Pjöngjang und den zwei Gipfeln von Trump und Kim. Japan dürfte aus Sicht von Experten keine harsche Reaktion auf die mutmaßlichen Raketentests verfolgen, da Ministerpräsident Shinzo Abe auf einen eigenen Gipfel mit Kim hofft.

(lukra/dpa)
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