Nordkorea feuert laut US-Angaben wieder Interkontinentalrakete ab

Neue Provokation : Nordkorea testet offenbar Interkontinentalrakete

Nordkorea hat nach Einschätzung des Pentagon erneut eine ballistische Interkontinentalrakete getestet. Die Rakete wirke technisch ausgereifter als die jüngst von Nordkorea getestete, teilte die südkoreanische Militärführung mit.

Das Geschoss sei etwa 45 Minuten in der Luft gewesen, sagte der japanische Regierungssprecher Yoshihide Suga. Das sind fünf Minuten mehr als der am 4. Juli getestete Flugkörper, bei dem es sich nach nordkoreanischen Angaben um eine Interkontinentalrakete gehandelt hatte. Nordkorea äußerte sich zunächst nicht.

Suga sagte, die Rakete sei westlich der Insel Hokkaido zwischen Korea und Japan im Meer gelandet. Japan habe bereits Protest eingelegt. Nordkorea sei erneut provozierend aufgetreten. Das könne nicht akzeptiert werden.

Ministerpräsident Shinzo Abe berief eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein. "Wir werden die Information sofort analysieren und unser Äußerstes tun, um die Sicherheit des japanischen Volkes zu schützen", sagte er.

In Nordkorea gab es zunächst keine Berichte über einen Raketentest. Für eine Bestätigung solcher Starts lässt sich das Land oft Stunden oder sogar mehrere Tage Zeit. Rundfunk und Fernsehen des Landes hatten ihre Programme auch schon beendet, als die Rakete in der Nacht abhob. Üblicherweise startet Nordkorea Testraketen am Morgen. Jetzt könnte es demonstriert haben, dass es auch zu nächtlichen Raketenstarts in der Lage ist.

Die Rakete habe eine geschätzte Höhe von 3700 Metern erreicht, bevor sie etwa 1000 Kilometer vom Abschussort entfernt ins Meer gestürzt sei, teilte die südkoreanische Militärführung mit.

Einem Wissenschaftler zufolge könnte eine solche Rakete Los Angeles und Chicago erreichen. Wenn Berichte über die Flughöhe und -dauer der Rakete richtig sind, betrage die theoretische Reichweite mindestens 10.400 Kilometer, sagte der Physiker David Wright, Ko-Direktor des globalen Sicherheitsprogramms der Union of Concerned Scientists. Auch Bruce Klingner von der Heritage Foundation sagte, es wirke so, als ob große Teile der USA nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen seien.

Die Anfang Juli getestete Rakete war nach Angaben Nordkoreas in der Lage, bis Alaska zu fliegen. Unklar war, ob die Rakete vom Typ Hwasong 14 auch einen Atomsprengkopf tragen kann. Die Vereinten Nationen lehnen Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm ab und haben deswegen Sanktionen gegen das Land verhängt.

(oko/ap)
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