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Boko Haram droht mit Anschlägen: Nigerianische Regierung warnt vor Anarchie

Boko Haram droht mit Anschlägen : Nigerianische Regierung warnt vor Anarchie

Die Lage in Nigeria wird zusehends instabiler. Die radikalislamistische Sekte Boko Haram veröffentlichte ein Internetvideo, in dem deren Führer Imam Abubakar Shekau weitere Anschläge ankündigte. Zudem legen Streiks das Wirtschaftsleben in Lagos lahm.

Die gegen explodierende Spritpreise und Korruption im Staatsapparat gerichteten Streiks und Proteste in Nigeria drohen zu eskalieren. Trotz einer Warnung der Regierung vor Anarchie kündigte eine Ölarbeitergewerkschaft am Mittwoch an, ihren Ausstand auszuweiten und den Erdgasexport zu stören. In der Hafenstadt Lagos blockierten hunderte Demonstranten eine Stadtautobahn auf die Inseln mit den Wohnvierteln der Reichen.

Der am Montag begonnene Ausstand hat in der Wirtschaftsmetropole des Ölförderlands bereits den stark frequentierten Apapa-Hafen lahmgelegt und den Frachtverkehr unterbrochen. Geschäfte blieben geschlossen, Fluggesellschaften strichen weitere internationale Flüge. Den Streiks als Protest gegen die Abschaffung von Treibstoffsubventionen zum Jahreswechsel hat sich eine "Occupy Nigeria"-Bewegung angeschlossen, die Korruption und Misswirtschaft anprangert. Zusammenstöße kosteten bislang mindestens zehn Menschen das Leben.

"Bereit für den Bürgerkrieg"

Am Mittwoch hatten junge Leute das Büro der örtlichen Wahlkommission in der im Norden gelegenen Stadt Minna in Brand gesteckt und dabei einen Polizisten getötet, der das Gebäude bewachte. Hunderte Soldaten rückten anschließend in die Stadt ein.
Es sei ein 24-stündiges Ausgehverbot über den Staat Niger verhängt worden, sagte ein Vertreter der Lokalverwaltung. Nach einem Angriff auf seine Residenz musste zudem der Gouverneur des Staates mit einem Hubschrauber in Sicherheit gebracht werden.

Justizminister Mohammed Bello Adoke hob hervor, dass der von großen Gewerkschaften ausgerufene Ausstand gerichtlich verboten wurde. Die fortgesetzte Missachtung dieser Anordnung schade dem öffentlichen Interesse und öffne der Anarchie Tür und Tor, erklärte er am Dienstagabend. Die Beschäftigten des öffentlichen Diensts wies er darauf hin, dass Streikende auch keinen Lohn bekämen.

Ungeachtet dessen kündigte eine große Ölarbeitergewerkschaft an, ihre Arbeitsniederlegungen auszuweiten. "Das bedeutet auf kurze Sicht, dass es keinen Gasexport geben wird, dass es keinen Strom geben wird", erklärte Gewerkschaftschef Babatunde Ogun. "Alles wird zum Stillstand kommen."

In der Wirtschaftsmetropole Lagos besetzten hunderte Demonstranten eine Schnellstraße, die zu den von Wohlhabenden bewohnten Inseln vor der Stadt führt. Ein Demonstrant zeigte ein Transparent mit der Aufschrift: "Wir sind bereit für den Bürgerkrieg".

Mindestens 63 Tote allein in der vergangenen Woche

Derweil veröffentlichte die radikale islamistische Sekte Boko Haram ein Internetvideo, in dem deren Führer Imam Abubakar Shekau weitere Anschläge ankündigte. Die Sekte, deren Name auf Hausa so viel bedeutet wie "Westliche Bildung ist Gotteslästerung", würde in dem Vielvölkerstaat mit seinen 160 Millionen Menschen am liebsten durchgehend die Scharia einführen. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP kosteten Anschläge der Sekte allein im vergangenen Jahr mindestens 510 Menschen das Leben. Bei einem Überfall auf einen Bus voller Christen wurden am Mittwoch nach Polizeiangaben vier Menschen von Boko-Haram-Anhängern getötet.

Analysten und Diplomaten zufolge ist die Sekte im Laufe der Zeit zerbrochen, wobei eine Splittergruppe für die Mehrzahl der im Namen der Gruppe verübten Anschläge verantwortlich sei. Die Regierung wirft der Gruppe vor, allein in der vergangenen Woche mindestens 63 Menschen getötet zu haben. Die islamistische Gruppe hatte angekündigt, gezielt Christen anzugreifen. Präsident Jonathan hatte vor gut einer Woche den Notstand in den Gebieten ausgerufen, die am meisten von den Sektenangriffen betroffen sind.

(Jon Gambrell und Sunday Alamba sind AP-Korrespondenten)

Bildhinweis: 110112APNIN105, 110112APNIN103, 110112APNIN104

(APD)