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Neuer US-Sicherheitsberater: Dr. McMaster — Militärstratege und kreativer Denker

Neuer US-Sicherheitsberater : Dr. McMaster — Militärstratege und kreativer Denker

H.R. McMaster wird neuer Sicherheitsberater der US-Regierung und folgt auf Michael Flynn, der nach nur wenigen Wochen im Amt den Posten räumen musste. Der in Armeezirkeln hoch geschätzte General mcMaster ist dafür bekannt, auch den Mächtigen seine Meinung zu sagen.

H.R. McMaster gilt als gewiefter Militärstratege und kreativer Denker. Seine Qualitäten soll der General mit Doktortitel nun in einen Job einbringen, um den es zuletzt viel Wirbel gab: McMaster beerbt Michael Flynn als Nationaler Sicherheitsberater. Vom Chef gab es für den Neuen im Weißen Haus am Montag erste Vorschusslorbeeren: McMaster sei "ein Mann von enormem Talent und enormer Erfahrung", erklärte Präsident Donald Trump in seinem Ferienclub in Florida. Flankiert wurde er dabei von McMaster, der sich geehrt zeigte. Für den Anlass hatte sich McMaster in eine schneidige Militäruniform geworfen.

Tatsächlich weitet sich mit der Personalie der Einfluss von Militärs in der neuen US-Regierung aus. Vor allem Generäle scheinen es Trump angetan zu haben: Prominente Beispiele sind Verteidigungsminister James Mattis und Heimatschutzminister John Kelly. Mit McMaster bekam nun ein Offizier den Zuschlag für einen Posten, der manchmal bewusst als Gegengewicht zum Pentagon in die Waagschale geworfen wird. Laut dem Weißen Haus hat er vor, im aktiven Militärdienst zu bleiben.

Bei allem Soldatischen umweht McMaster eine Aura der Gelehrsamkeit.
Er promovierte an der Universität von North Carolina in Geschichte und ist stark in die Bemühungen der US-Armee um eine Neuausrichtung ihrer künftigen Truppen und ihrer Gefechtsbereitschaft eingebunden. Zudem ist McMaster Direktor des Army Capabilities Integration Centers, einer Art Militärdenkfabrik am Stützpunkt Fort Eustis in Virginia.

Jenseits der Armeezirkel beeindruckte der 54-Jährige mit seinem 1997 erschienen Buch "Dereliction of Duty" (Pflichtverletzung), einer beißenden Kritik am Vorgehen der US-Regierung im Vietnamkrieg und eine Analyse der "Lügen, die zu Vietnam führten", wie er es nannte. Das Werk brachte ihm den Ruf ein, den Mächtigen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen.

Auch als kampferprobt gilt McMaster. In zwei unter US-Beteiligung geführten Kriegen im Irak befehligte er Truppen. Erst 1991, als er in einer sagenumwobenen Panzerschlacht kämpfte, die als "Battle of 73 Easting" bekannt wurde. Und erneut in den Jahren 2005 und 2006 während den gewalttätigsten Phase eines Ausftands, der auf die von den USA geleitete Invasion im Jahr 2003 folgte. Später diente McMaster dem US-Kommandeur im Irak als Sonderberater.

Dennoch war McMaster für Trump nur die zweite Wahl bei der Suche nach einem Nachfolger für Flynn, der über seinem Umgang mit Kontakten mit dem russischen Botschafter in Washington gestolpert war. Als Ersatz hatte der Präsident eigentlich Vizeadmiral Robert Haward im Blick. Doch der winkte vergangene Woche ab.

Insgesamt vier Kandidaten für den Sicherheitsberater-Posten bat Trump am vergangenen Wochenende zu Bewerbungsgesprächen nach Mar-a-Lago, seinem Luxus-Club in Florida. Am Ende machte McMaster das Rennen, der seine Berufung als "Privileg" bezeichnete.

Ob und wie sehr er mit den Ansichten seines Chefs auf einer Linie ist, wird sich jedoch zeigen müssen. Mit Blick auf Russland etwa scheint McMaster eine kritischere Sicht auf Moskaus militärische und politische Ziele in Europa einzunehmen als Trump. In einer Rede im Washingtoner Zentrum für Strategische und Internationale Studien, einer Denkfabrik, sagte McMaster im Mai 2016, Russland sei die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und eine militärische Intervention in der Ostukraine "zum Nulltarif" gelungen und die internationale Gemeinschaft habe dies zugelassen. Moskaus weiterreichendes Ziel sei es, den "Kollaps der Sicherheit nach dem Kalten Krieg sowie der wirtschaftlichen und politischen Ordnung in Europa" herbeizuführen und "diese Ordnung durch etwas zu ersetzen, das den russischen Interessen gegenüber wohlgesonnener" sei.

Nun hat McMaster die heikle Aufgabe, einen Nationalen Sicherheitsrat zu leiten, dessen Start unter Trump alles andere als reibungslos verlief. Nach der Affäre Flynn musste erst am Freitag der in dem Gremium für die westliche Hemisphäre zuständige Abteilungsleiter Craig Deare gehen, nachdem er Kritik am Präsidenten geübt hatte. Deare soll zuvor in einem Hintergrundgespräch beklagt haben, dass sein Ressort bei wichtigen politischen Entscheidungen nicht zurate gezogen werde und ein Zirkel um Chefstratege Steve Bannon und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner im Alleingang handele.

Vor diesem Hintergrund wird mit Spannung erwartet, wie sich McMaster schlagen wird.

Einen Vertrauensvorschuss genießt der General zumindest selbst bei einem erklärten Trump-Kritiker, dem bekannten Senator John McCain.
Der bezeichnete die Ernennung McMasters als eine "hervorragende" Entscheidung. "Er ist ein Mann mit echtem Intellekt, Charakter und Befähigung. Er weiß, wie man Erfolg hat", erklärte McCain - und verteilte auch ungewohntes Lob an den Hausherrn im Weißen Haus. Er rechne Präsident Trump diese Entscheidung hoch an.

(rent/ap)