Pulverfass Nahost: Netanjahu: Israel ist vom "Feuer des radikalen Islam" bedroht

Pulverfass Nahost : Netanjahu: Israel ist vom "Feuer des radikalen Islam" bedroht

Während sowohl Israelis als auch Palästinenser in dne letzten Stunden Verletzte zu beklagen haben, hat Israels Ministerpräsident frisch ausgebildete Luftwaffenpiloten auf den Kampf gegen Islamisten eingeschworen.

"Das Feuer des radikalen Islam züngelt an unseren Grenzen im Norden und Süden", sagte Netanjahu laut dem Sender Arutz Schewa bei einer Abschlussfeier im Luftwaffenstützpunkt Hatzerim am Donnerstag. Erste Aufgabe der Soldaten sei, den Staat Israel zu schützen. Dies heiße "Angriffe verhindern und vereiteln" und "energisch auf jeden Angriff antworten", sagte der Regierungschef.

Internationale Vorwürfe, bestimmte Operationen der Luftwaffe etwa im Gaza-Konflikt seien als Kriegsverbrechen zu werten, wies Netanjahu zurück. "Ihr verteidigt das Land, und das Land verteidigt euch", sagte er den Kampfpiloten laut der Zeitung "Jerusalem Post" (Onlineausgabe).

Laut Arutz Schewa gab Netanjahu zugleich den Kauf von drei in Deutschland gebauten Kriegsschiffen für die israelische Marine bekannt. Dabei habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihren "Einsatz und die anhaltende Unterstützung" für Israels Sicherheitspolitik gedankt, so der Sender.

Zwei Polizisten verletzt

Unterdessen hat ein mit einem Messer bewaffneter Palästinenser am Freitag in der Altstadt von Jerusalem zwei israelischen Polizisten leichte Verletzungen zugefügt. Einer der Beamten sei am Hals, der andere an der Hand verletzt worden, teilte eine Polizeisprecherin mit. Der Angreifer konnte demnach entkommen. Es werde intensiv nach ihm gefahndet.

Jerusalem ist seit Monaten Schauplatz von Anschlägen und Zusammenstößen, die sich vor allem in den arabischen Wohnvierteln im besetzten Ostteil der Stadt zutragen. Begonnen hatten die Unruhen Anfang Juli, als drei jüdische Extremisten einen arabischen Jugendlichen aus Ostjerusalem verschleppten und lebend verbrannten.

Als Mordmotiv wurde ein Racheakt für die Entführung und Erschießung von drei jüdischen Talmudschülern im Westjordanland vermutet. Im Herbst gab es wiederholt Angriffe von Palästinensern mit Autos auf Fußgänger und einen Anschlag mit fünf Toten auf eine Synagoge in Westjerusalem.

Elfjährige durch Brandbombe verletzt

Nahe einer jüdischen Siedlung im Westjordanland ist zudem am Donnerstag ein elfjähriges israelisches Mädchen durch eine Brandbombe schwer verletzt worden. Der Vater des Kindes kam nach Militärangaben mit leichten Verletzungen davon, als Angreifer eine Brandbombe auf das Auto der beiden warfen. Demnach ereignete sich der Anschlag nahe der Siedlung Maale Schomrom im Norden des Westjordanlandes.

Israels Wohnungsbauminister Uri Ariel forderte Regierung und Streitkräfte auf, auf derartige Angriffe mit aller Härte zu reagieren - ebenso wie es im Gazastreifen Praxis sei. Am Mittwoch hatte die israelische Luftwaffe einen Hamas-Aktivisten im Gazastreifen getötet, nachdem ein israelischer Soldaten von dem Gebiet aus beschossen und schwer verletzt worden war.

Im Westjordanland werden israelische Zivilisten immer wieder von Palästinensern mit Brandbomben angegriffen oder auf andere Art attackiert. Allein an den ersten neun Dezember-Tagen gab es laut Armee 24 Angriffe mit Brandbomben auf Israelis.

Gericht verfügt Abriss von Siedlungen

Derweil hat das oberste Israelische Gericht nach israelischen Medienangaben vom Donnerstag die Räumung und den Abriss der jüdischen Siedlung Amona im Westjordanland verfügt. Die Entscheidung müsse innerhalb von zwei Jahren umgesetzt werden. Die Regierung müsse für die Siedler Alternativen finden. Dem Urteilsspruch des Präsidenten des Obersten Gerichts Ascher Grunis war ein jahrelanger juristischer Streit vorausgegangen.

In der 1997 auf privatem Land errichteten Siedlung leben etwas 50 orthodoxe jüdische Familien mit insgesamt rund 300 Mitgliedern. Es handelt sich nach Angaben der Zeitung "Haaretz" um die größte illegale Siedlung im Westjordanland.

Nach Angaben des israelischen Internetportals "Ynet" kritisierten die Bewohner die Entscheidung. Menschenrechtsorganisationen und Siedlungsgegner hatten seit Jahren gegen Amona gekämpft, weil ihrer Meinung nach die Siedlung auf Land gebaut worden sei, dass den Palästinensern illegal weggenommen worden sei.

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(KNA/AFP/dpa)