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Afghanistan: Nato will Kampfeinsatz 2013 beenden

Afghanistan : Nato will Kampfeinsatz 2013 beenden

Von den wahlkämpfenden Regierungen in Paris und den USA getrieben, will die Nato die Kampfeinsätze in Afghanistan zügig an die einheimischen Sicherheitskräfte abtreten.

Der Militäreinsatz wird zwar bis Ende 2014 fortgesetzt, stellte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bei Beratungen am Donnerstag in Brüssel klar. Aber schon Ende kommenden Jahres solle die Führungsrolle in allen Provinzen an die Afghanen übergeben werden. Die Nato-Soldaten werden "vom Fahrersitz auf den Beifahrersitz" rutschen, sagte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière.

Pentagonchef Leon Panetta hatte die Parole auf dem Hinflug nach Europa ausgegeben: "Hoffentlich können wir Mitte oder Ende 2013 einen Übergang von der Kampfrolle zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung schaffen", sagte er Reportern im Flugzeug. "Das heißt nicht, dass wir nicht mehr kampfbereit wären. Sondern, dass wir nicht länger in der offiziellen Kampfrolle sind wie jetzt."

Seine Ankündigung hatte im Nato-Hauptquartier für Wirbel gesorgt.
Nach Beratungen der Afghanistan-Truppensteller war de Maizière bemüht klarzustellen, dass nichts überstürzt werde. Es bleibe bei der Strategie, "dass wir die Mission bis Ende 2014 durchführen". Für den schrittweisen Abzug "brauchen wir eine angemessene Truppenstärke auch deutscher Soldaten, um die Übergabe in Verantwortung seriös zu organisieren."

"Alle Partner stehen zum Fahrplan"

Pannetas Bemerkungen hatten zunächst die Sorge geschürt, die geschlossene Afghanistan-Allianz bröckele. Schließlich hatte auch der französische Staatschef Nicolas Sarkozy nach einem Anschlag mit vier getöteten Soldaten erst in der vergangenen Woche auf ein rascheres Ende der Kampfeinsätze gepocht. In Frankreich und den USA ziehen Präsidentschaftswahlkämpfe auf, und mit der eiligen Rückkehr vom Hindukusch ließe sich dabei punkten.

Nato-Chef Rasmussen gab sich aber zuversichtlich, dass die im November 2011 vereinbarte Lissabon-Strategie von niemandem infrage gestellt werde: "Alle Partner stehen zum Fahrplan." Allerdings waren die konkreten Schritte bislang noch nicht bekannt. Und bisher waren Beobachter davon ausgegangen, dass die internationalen Truppen bis zum Ende ihres Einsatzes auch Kampfeinsätze führen. Nicht zuletzt, um den erstarkenden Taliban keinen Raum zu lassen.

Taliban siegessicher

Erst am Mittwoch war ein interner Nato-Bericht an die Öffentlichkeit gelangt. In dem heißt es, die Moral der Taliban sei auch ein Jahrzehnt nach Kriegsbeginn "sehr hoch" und die radikalislamischen Aufständischen seien sicher, dass sie die internationale Koalition besiegen und die Macht an sich reißen könnten. De Maizière bezeichnete den Bericht als "einseitig", weil er vor allem auf Aussagen von Gefangenen basiere.

Das kann aber nicht davon ablenken, dass die afghanischen Sicherheitskräfte inzwischen immer stärker von den Taliban durchsetzt sind. Seit 2007 gab es mindestens 35 Anschläge, bei denen die Täter afghanische Sicherheitskräfte waren oder deren Uniformen trugen. Und die Tendenz ist nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP stark gestiegen: Von sechs im Jahr 2011 auf 17 im vergangenen Jahr.

(APD)