Türkei blockiert Aufnahme seit Monaten Erdogan deutet Zustimmung zu Nato-Beitritt Finnlands an - ohne Schweden

Istanbul · Ein islamfeindlicher Politiker hatte Mitte Januar nahe der türkischen Botschaft in Stockholm einen Koran verbrannt. Der türkische Präsident Erdogan kündigte daraufhin an, die Unterstützung für Schwedens Nato-Beitritt zu verweigern. Für ein anderes Land sieht er hingegen eine Chance.

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, nimmt an einer Pressekonferenz teil (Archivfoto).

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, nimmt an einer Pressekonferenz teil (Archivfoto).

Foto: dpa/Markus Schreiber

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat eine Zustimmung zur Aufnahme Finnlands in die Nato angedeutet - ohne Schweden. „Wenn nötig, können wir eine andere Botschaft in Bezug auf Finnland geben“, sagte Erdogan nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntagabend in einer Rede vor Jugendlichen. Er fügte hinzu: „Schweden wird schockiert sein, wenn wir bezüglich Finnland eine andere Aussage machen.“ Zugleich warnte er Finnland davor, dieselben „Fehler“ zu machen wie das Nachbarland.

Finnland setzte sich unmittelbar nach Erdogans neuen Aussagen mit der Türkei in Verbindung. Außenminister Pekka Haavisto machte am Montag nochmals klar, dass Finnland zeitgleich mit Schweden in die Nato wolle - an dieser Linie habe sich nichts geändert, sagte er in Helsinki bei einer Pressekonferenz. Er hoffe darauf, dass beide Länder noch vor dem Nato-Gipfel im Juli in Vilnius Mitglieder würden. Man befinde sich beim Zeitplan aber in den Händen der Türkei und Ungarns - den beiden Mitgliedern, die den Beitritt noch nicht ratifiziert haben. Finnlands und Schwedens Sicherheit gehörten zusammen und würden dies auch in Zukunft tun, betonte Haavisto.

Die beiden nordischen Länder hatten 2022 infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beschlossen, nach Jahrzehnten ohne Zugehörigkeit zu einem Militärbündnis Nato-Mitglied werden zu wollen. Dazu müssen alle 30 jetzigen Mitglieder die Anträge ratifizieren. Erdogan blockiert eine Aufnahme jedoch seit Monaten. Er wirft Schweden Unterstützung von „Terrororganisationen“ wie der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor. Zudem fordert er die Auslieferung von 130 vermeintlichen „Terroristen“.

Vergangene Woche hatte Erdogan gesagt, Schweden könne nicht mit der Unterstützung seines Landes rechnen, nachdem ein islamfeindlicher Politiker nahe der türkischen Botschaft in Stockholm einen Koran verbrannt hatte. Erdogan befindet sich derzeit im Wahlkampf: Bei der Wahl im Mai bemüht er sich um eine dritte Amtszeit.

(mzu/dpa)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort