Nach Angriffen auf Gazastreifen Erdogan will nicht mehr mit Netanjahu sprechen

Ankara/Istanbul · Im Zuge des Gaza-Kriegs hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach eigenen Worten den Kontakt zu Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu abgebrochen. „Netanjahu ist für uns keine Art von Gesprächspartner mehr.“

Dieses Foto aus dem September 2023 wird wohl so nicht mehr zustande kommen: Recep Tayyip Erdogan (r) und der israelische Premier Benjamin Netanjahu im Gespräch.

Dieses Foto aus dem September 2023 wird wohl so nicht mehr zustande kommen: Recep Tayyip Erdogan (r) und der israelische Premier Benjamin Netanjahu im Gespräch.

Foto: dpa/Avi Ohayon

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will nach eigenen Angaben als Konsequenz aus dem israelischen Vorgehen im Gazastreifen alle seine Kontakte zum israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu abbrechen. „Netanjahu ist nicht mehr jemand, mit dem wir sprechen können. Wir haben ihn abgeschrieben“, wurde Erdogan am Samstag von türkischen Medien zitiert. Ankara gab außerdem bekannt, dass es seinen Botschafter in Israel für „Konsultationen“ in die Heimat zurückrufe.

Erdogan sagte jedoch, dass die Türkei ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel nicht abbrechen werde. „Die Verbindungen komplett zu kappen, ist nicht möglich, besonders in der internationalen Diplomatie“, betonte er.

Israel greift Krankenwagen in Gaza an
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Foto: AFP/MOMEN AL-HALABI

Laut Erdogan ist der Chef des türkischen Geheimdienstes MIT, Ibrahim Kalin, damit beauftragt, auf ein Ende der Kämpfe zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas hinzuwirken. Kalin spreche sowohl mit der israelischen Seite als auch mit den Palästinensern und der Hamas.

Der türkische Präsident hatte Israel vor einer Woche bei einer pro-palästinensischen Kundgebung in Istanbul „Kriegsverbrechen“ vorgeworfen. Israel zog daraufhin sein diplomatisches Personal aus der Türkei ab und erklärte, die Beziehungen würden nun neu bewertet.

Dass nun auch der türkische Botschafter in Israel zurückgerufen wird, begründete das türkische Außenministerium mit der israelischen Ablehnung einer Feuerpause im Gazastreifen. Mit der Maßnahme werde auf die „durch die unablässigen Angriffe Israels verursachte humanitäre Tragödie in Gaza“ sowie die israelische Verweigerung einer Waffenruhe reagiert, hieß es.

Am Sonntag wird US-Außenminister Antony Blinken in der Türkei erwartet. Sein Besuch in dem Land wurde am Samstag vom US-Außenministerium angekündigt.

Blinken hatte sich am Freitag bei einem Besuch in Israel vergeblich für eine begrenzte humanitäre Feuerpause eingesetzt. Netanjahu sagte, ohne eine Freilassung aller von der Hamas verschleppten Geiseln lehne sein Land eine Feuerpause ab. Blinken setzte seine diplomatischen Bemühungen am Samstag in Jordanien fort, wo er mehrere arabische Amtskollegen traf.

Die Hamas hatte bei ihrem Großangriff auf Israel vor vier Wochen israelischen Angaben zufolge rund 1400 Menschen getötet. Zudem verschleppten die Islamisten mehr als 240 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen. Als Reaktion startete Israel seine Angriffe in dem dicht besiedelten Palästinensergebiet. Dabei wurden nach jüngsten Angaben der Hamas vom Samstag, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, bisher 9488 Menschen getötet.

(felt/AFP)
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