Nahostkonflikt Familienangehörige deutscher Diplomaten verlassen Iran

Washington/Berlin · Der Israel vom Iran angedrohte Vergeltungsschlag scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Kann die Eskalation der Gewalt einen regionalen Krieg auslösen? Das Auswärtige Amt fordert Deutsche auf, den Iran zu verlassen.

Das deutsche Wappen und der Schriftzug "Auswärtiges Amt" sind an einer Außenwand am Eingang zum Auswärtigen Amt angebracht. (Symbolbild)

Das deutsche Wappen und der Schriftzug "Auswärtiges Amt" sind an einer Außenwand am Eingang zum Auswärtigen Amt angebracht. (Symbolbild)

Foto: dpa/Demy Becker

Angesichts der drohenden militärischen Eskalation zwischen dem Iran und Israel verlassen die Familienangehörigen der Entsandten an der deutschen Botschaft in Teheran das Land. Überdies wurden weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Samstag mitteilte. Nachmittags sei eine Krisenstabssitzung im Auswärtigen Amt geplant. Zuvor hatte die „Bild am Sonntag“ berichtet.

Weiter erklärte der Sprecher, eine niedrige dreistellige Zahl Deutscher habe sich in die Krisenvorsorgelisten „Elefand“ eingetragen. Aus dem Außenamt hieß es dazu, es werde von einer größeren Zahl deutsch-iranischer Doppelstaatler im Iran ausgegangen. Es lägen aber keine bestätigten Zahlen vor, da im Ausland keine Meldepflicht bestehe.

Am Freitag hatte das Auswärtige Amt alle deutschen Staatsangehörigen im Iran aufgefordert, das Land zu verlassen. Zugleich warnte es vor Reisen in den Iran. Die Sicherheitslage könne sich schnell und ohne Vorwarnung verschlechtern.

Auch Österreich rief seine Landsleute auf, das Land zu verlassen. Zuvor hatten mehrere Länder, darunter Großbritannien und Frankreich, Reisewarnungen ausgesprochen.

Am 1. April waren bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff auf das iranische Botschaftsgelände in der syrischen Hauptstadt Damaskus zwei Brigadegeneräle und fünf weitere Mitglieder der mächtigen iranischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet worden. Die iranische Führung hat seitdem mehrfach mit Vergeltung gedroht. Israel müsse bestraft werden, hatte Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei am Mittwoch bekräftigt. Derweil verlängerte die deutsche Lufthansa die Aussetzung geplanter Flüge in und aus der iranischen Hauptstadt Teheran bis Donnerstag.

Israels Armee: „Jederzeit und für jedes Szenario gerüstet“

Israel gibt sich angesichts der Aussicht auf einen iranischen Angriff selbstsicher. „Die israelischen Streitkräfte sind bestens vorbereitet, sowohl in Hinblick auf ihre offensiven als auch ihre defensiven Fähigkeiten“, sagte Militärchef Herzi Halevi am Freitag nach einer Lagebesprechung des Generalstabs. Die Armee beobachte permanent die Vorgänge im Iran und an anderen Schauplätzen und bereite sich in Abstimmung mit den USA darauf vor, „existierende und potenzielle Bedrohungen zu bewältigen“. „Unsere Streitkräfte sind jederzeit und für jedes Szenario gerüstet“, betonte Halevi.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zeigte sich indes besorgt über einen möglicherweise bevorstehenden Vergeltungsangriff des Irans auf Israel. Man nehme die Situation „sehr ernst“, sagte Scholz am Freitag in Berlin. Sowohl er als auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hätten alles unternommen, um dem Iran klarzumachen, „dass es hier nicht (...) zu einer militärischen Aktivität kommen darf“.

Iranischer Top-Militär auf Botschaftsgelände in Syrien bei Angriff getötet

Die Konfrontation Israels mit dem Iran ist eine indirekte Folge des Gaza-Kriegs. Die mit dem Iran verbündete Schiiten-Miliz Hisbollah greift seit Kriegsbeginn aus dem Libanon heraus den Norden Israels an. Bei dem Israel zugeschriebenen Angriff auf das iranische Botschaftsgelände in der syrischen Hauptstadt Damaskus am 1. April wurden der iranische Brigadegeneral Mohammad Resa Sahedi, ein hochrangiges Mitglied der iranischen Revolutionsgarden (IRGC), sowie weitere hohe iranische Militärs getötet. Sahedi war laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim als Kommandeur der IRGC-Auslandseinheit für Operationen in Syrien und im Libanon verantwortlich.

(felt/Reuters)
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