Gazastreifen Dutzende Tote nach israelischen Angriffen im Flüchtlingslager Nuseirat

Update | Deir al-Balah · Bei einem israelischen Luftangriff im zentralen Gazastreifen sind am Sonntag im Flüchtlingslager Nuseirat mehr als 30 Menschen getötet worden, unter ihnen acht Frauen und vier Kinder.

Menschen trauern in Gaza um Opfer eines Luftangriffs.

Menschen trauern in Gaza um Opfer eines Luftangriffs.

Foto: AP/Abdel Kareem Hana

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind nach Angaben der Zivilschutzbehörde in dem Palästinensergebiet mehr als 30 Menschen getötet worden. Es seien 31 Tote und 20 Verletzte nach dem Angriff aus einem Haus im Flüchtlingslager Nuseirat im Zentrum des Gazastreifens geborgen worden, sagte ein Sprecher der Behörde am Sonntag zu Journalisten. Rettungskräfte suchten demnach unter den Trümmern weiter nach Vermissten.

Zuvor hatte das Al-Aksa-Krankenhaus im etwa fünf Kilometer entfernten Deir el-Balah erklärt, es seien 20 Leichen und mehrere Verletzte eingeliefert worden. Augenzeugen zufolge ereignete sich der Angriff gegen 3 Uhr Ortszeit (2 Uhr MESZ). Die israelische Armee erklärte, die Angaben zu prüfen.

Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, dass unter den Verletzten auch mehrere Kinder seien.

Seitdem die israelische Armee Anfang Mai in die südlich gelegene Stadt Rafah eingerückt war, werden auch heftige Gefechte und starke israelische Bombardierungen aus dem Al-Nuseirat-Camp gemeldet.

Zusammenstöße zwischen militanten Palästinensern und israelischen Soldaten sowie Explosionen ereigneten sich in der Nacht zu Sonntag laut Augenzeugen auch im Lager Dschabalija im Norden des Gazastreifens. In Scheich Sajed ebenfalls im Norden des Palästinensergebietes waren am Sonntag laut Zeugen Artillerieschüsse zu hören.

Nach Angaben des Al-Ahli-Arab-Krankenhauses in Gaza wurden dorthin drei Tote und mehrere Verletzte gebracht. Es handelte sich demnach um Opfer eines israelischen Luftangriffs auf eine Schule im Viertel Al-Daradsch, die Flüchtlingen als Unterkunft diente.

Augenzeugen berichteten von weiteren Luftangriffen auf Häuser im Gazastreifen. Auch Teile der Stadt Rafah seien in der Nacht zu Sonntag von Luftangriffen und Artilleriebeschuss getroffen worden. Am Sonntag sprachen Augenzeugen von israelischen Hubschraubern, aus denen auf den Osten von Rafah gefeuert worden sei.

Angesichts der heftigen Kämpfe auch in Rafah, wohin sich viele Palästinenser geflüchtete hatten, schlug die UNO erneut wegen der humanitären Lage im Gazastreifen Alarm. UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths sagte der Nachrichtenagentur AFP, wenn der Treibstoff ausgehe und humanitäre Hilfe nicht mehr zu den Menschen durchkomme, werde eine „Hungersnot“ Realität werden. Der Leiter des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) warnte vor „apokalyptischen“ Verhältnissen in dem Küstenstreifen.

Der Krieg im Gazastreifen war durch den Großangriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober ausgelöst worden. Dabei töteten islamistische Kämpfer nach israelischen Angaben mehr als 1170 Menschen, 252 weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Als Reaktion auf den Großangriff geht Israel seither massiv militärisch in dem Küstenstreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dabei bislang mehr als 35.400 Menschen im Gazastreifen getötet.

Das israelische Militär erklärte, am Samstag seien zwei Soldaten im Gazastreifen getötet worden. Seit dem Start der Bodenoffensive am 27. Oktober starben 282 israelische Soldaten in dem Militäreinsatz.

(felt/aku/dpa/AFP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort