Explosionen über der Stadt Isfahan Mutmaßlicher israelischer Drohnenangriff im Iran

​ Dubai · Iranische Medien melden Detonationen nahe der Stadt Isfahan, wo sich eine große Luftwaffenbasis der Armee und Anlagen befinden, die in Verbindung mit Irans Atomprogramm stehen.

Es gab Berichte über Explosionen über der Stadt Isfahan, wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete.

Es gab Berichte über Explosionen über der Stadt Isfahan, wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete.

Foto: DPA, Schnettler

Der Iran hat am Freitagmorgen in mehreren Provinzen seine Luftverteidigung aktiviert, nachdem dort Drohnen gesichtet worden waren. Es wurde vermutet, dass sie Teil eines israelischen Angriffs als Vergeltung für den beispiellosen Drohnen- und Raketenangriff Teherans auf das Land am vergangenen Wochenende waren. Iranische Stellen sprachen nicht direkt von einem möglichen israelischen Angriff, und das israelische Militär reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme. Der offenkundige Angriff ereignete sich am 85. Geburtstag des iranischen Obersten Führers, Ajatollah Ali Chamenei.

Beobachter erklärten, der relativ begrenzte Umfang des mutmaßlichen israelischen Angriffs und die zurückhaltende Reaktion des Irans deuteten darauf hin, dass die Gefahr einer unmittelbaren Eskalation in der Region geringer geworden sei. UN-Generalsekretär António Guterres forderte ein Ende der Angriffe. „Es ist höchste Zeit, den gefährlichen Kreislauf der Vergeltung im Nahen Osten zu stoppen“, erklärte sein Büro.

Die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna meldete, Flugabwehrraketen seien abgefeuert worden. Zuvor gab es Berichte über Explosionen über der Stadt Isfahan, wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete. Die Detonationen über Isfahan seien in der Nähe des internationalen Flughafens registriert worden. Eine Explosionsursache nannte Fars nicht.

Dieses Satellitenbild von Planet Labs PBC zeigt die iranische Atomanlage in Isfahan, Iran, am 4. April 2024. Nach dem mutmaßlich israelischen Angriff im Iran soll der Vorfall untersucht werden. (Archiv)

Dieses Satellitenbild von Planet Labs PBC zeigt die iranische Atomanlage in Isfahan, Iran, am 4. April 2024. Nach dem mutmaßlich israelischen Angriff im Iran soll der Vorfall untersucht werden. (Archiv)

Foto: dpa/-

In Isfahan befinden sich eine große Luftwaffenbasis der Armee und Anlagen, die in Verbindung mit dem Atomprogramm des Landes stehen. Dazu gehört die unterirdische Anreicherungsanlage in Natans, die wiederholt Ziel mutmaßlicher israelischer Angriffe gewesen ist. Der Iran betreibt in Isfahan zudem drei kleine, von China gelieferte Forschungsreaktoren. Das Staatsfernsehen betonte jedoch, alle Anlagen in diesem Gebiet seien „völlig sicher“.

Hussein Dalirian, ein Sprecher einer Cyberspacebehörde der iranischen Regierung, berichtete auf der Plattform X, dass mehrere kleine „Quadcopter“-Drohnen abgeschossen worden seien. Wo dies geschah und ob die Abschüsse in Zusammenhang mit den anderen Ereignissen standen, war zunächst unklar.

Einwohner der irakischen Hauptstadt Bagdad, wo mehrere vom Iran unterstützte Milizen stationiert sind, berichteten von Explosionsgeräuschen. Später fanden die Behörden in der Nähe von Latifija, südwestlich von Bagdad, mutmaßliche Teile einer Luft-Boden-Rakete.

Ungefähr zum Zeitpunkt der Vorfälle im Iran berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf das Militär, Israel habe eine Luftverteidigungseinheit im Süden des Landes mit Raketen angegriffen und dabei Sachschaden verursacht. Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, eine Gruppe von oppositionellen Kriegsbeobachtern, erklärte, ein militärisches Radar der Regierungstruppen sei getroffen worden. Es sei zunächst nicht klar, ob es Verletzte gegeben habe, so die Beobachtungsstelle.

Die USA wurden nach Angaben des italienischen Außenministers Antonio Tajani „in letzter Minute“ von Israel über eine Drohnenaktion im Iran informiert. Das hätten die USA den anderen Außenministern der G7 bei einer Sitzung am Freitagmorgen mitgeteilt, sagte Tajani. US-Außenminister Antony Blinken lehnte es ab, sich zu einer möglichen Vorab-Information der USA seitens Israels zu äußern. Er betonte in Italien lediglich, die USA seien an keinerlei „offensiven Operationen“ beteiligt gewesen.

Die Lage im Nahen Osten ist nach einem beispiellosen iranischen Angriff mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern auf Israel am vergangenen Wochenende äußerst gespannt. Das Vorgehen bezeichnete Teheran als Vergeltung für einen mutmaßlich israelischen Angriff auf das iranische Botschaftsgelände in Syriens Hauptstadt Damaskus Anfang April. Dabei waren unter anderen zwei iranische Generäle getötet worden. Zuletzt hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Reaktion auf den iranischen Angriff angekündigt.

(csan/dpa)
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