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Nahostkonflikt eskaliert​: Raketenalarm und Explosionen in Jerusalem​

Nahostkonflikt eskaliert : Raketenalarm und Explosionen in Jerusalem

Zum ersten Mal seit Beginn der israelischen Militäroperation im Gazastreifen hat es am Sonntag auch in Jerusalem Raketenalarm gegeben. Am Morgen heulten im Umkreis der Stadt die Warnsirenen. Einwohner berichteten von Explosionen. Seit Freitag wurden nach Militärangaben mehr als 400 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert.

In israelischen Gemeinden westlich von Jerusalem haben am Sonntagmorgen Sirenen geheult und vor Raketen gewarnt. Zudem seien Explosionen zu hören gewesen, berichteten Zeugen vor Ort. Das deutete darauf hin, dass die palästinensischen Raketenangriffe auf israelisches Territorium am Sonntag den dritten Tag in Folge anhielten und nun weiter entfernt liegende Gebiete zum Ziel hatten. Berichte über mögliche Opfer gab es zunächst nicht.

Am Freitag und Samstag hatte der radikale Islamische Dschihad Hunderte Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Die meisten von ihnen wurden nach Angaben des israelischen Militärs abgefangen.

Rund 30 Palästinenser wurden bislang bei israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen getötet, ein Drittel von ihnen Zivilisten. Unter den Toten sind auch zwei führende Kommandeure des Islamischen Dschihads. Für deren Tod drohte die Organisation mit Vergeltung und erklärte: „Das Blut der Märtyrer wird nicht vergeudet, und die heiligen Krieger werden dieses Blut nicht trocknen lassen, bis sie die Siedlungen des Feindes mit ihren Raketen bombardiert haben.“

Israel bezeichnet seine Angriffe auf den Gazastreifen als „präventiven Angriff“ gegen den Islamischen Dschihad, der Attacken gegen Israel geplant habe. Nach Angaben der israelischen Armee wurden bei Angriffen auf Standorte der Organisation 15 Kämpfer getötet. Zudem seien im israelisch besetzten Westjordanland insgesamt 40 Mitglieder festgenommen worden.

Es war befürchtet worden, dass sich am Sonntag - dem jüdischen Fasten- und Trauertag Tischa BeAv - die Lage weiter zuspitzen könnte. Religiöse Juden betrauern an dem Tag die Zerstörung der beiden antiken Tempel in Jerusalem.

Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas-Organisation hatte am Abend dazu aufgerufen, die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg „zu verteidigen und sich den israelischen Übergriffen auf die heilige Stätte entgegenzustellen“. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam.

Bislang hatte sich die Hamas im jüngsten Konflikt mit Israel zurückgehalten. Israelische Luftangriffe galten vor allem der zweitstärksten Palästinenserorganisation im Gazastreifen, dem Islamischen Dschihad.

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Das israelische Militär hatte am Freitag die großangelegte Militäraktion „Morgengrauen“ gegen den Islamischen Dschihad gestartet. Die eng mit Israels Erzfeind Iran verbundene Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.

(felt/Reuters)