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Nach Flaggenmarsch: Israel fliegt Luftangriffe auf Gazastreifen

Nahostkonflikt entflammt neu : Israel fliegt Luftangriffe auf Gazastreifen

Erstmals seit Beginn der Waffenruhe Ende Mai hat Israel wieder Ziele im Gazastreifen angegriffen. Der Beschuss wurde als Reaktion auf Brandballons bei Protesten gegen den Flaggenmarsch in Jerusalem gewertet.

Israel hat in der Nacht wieder Luftangriffe im Gazastreifen geflogen. Die israelische Armee reagierte damit nach eigenen Angaben auf Attacken mit Brandballons aus dem Palästinensergebiet. Bei Protesten gegen den sogenannten Flaggenmarsch in Jerusalem hatten Demonstranten am Dienstag an Ballons befestigte Brandsätze in den Süden Israels fliegen lassen, die nach Angaben der israelischen Feuerwehr mindestens 20 Brände verursachten.

Als "Vergeltung" flog die israelische Luftwaffe in der Nacht Angriffe im Gazastreifen, wie die Armee in einer Erklärung bestätigte. Beschossen wurden demnach Standorte der Hamas, die die radikalislamische Palästinenserorganation vor allem für Versammlungen genutzt habe.

Nach palästinensischen Angaben wurde bei den Luftangriffen mindestens ein Ziel in der Stadt Chan Junis im Gazastreifen beschossen. Ein Radiosender der militanten Palästinenserorganisation Hamas meldete in der Nacht, ein israelisches Flugzeug habe ein palästinensisches Trainingslager im Gazastreifen angegriffen. Das israelische Militär lehnte einen Kommentar zu diesem Bericht zunächst ab.

Es waren die ersten israelischen Luftangriffe im Gazastreifen seit dem Ende des elftägigen Konflikts zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Mai. Der Konflikt war am 10. Mai eskaliert, als die Hamas als Reaktion auf Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der Polizei in Ost-Jerusalem massiv Raketen auf Israel abgefeuert hatte.

Bis zum Inkrafttreten einer Waffenruhe am 21. Mai wurden 260 Palästinenser im Gazastreifen getötet, darunter auch dutzende Kinder. Bei den Raketenangriffen auf Israel wurden nach Armeeangaben 13 Menschen getötet, darunter ein Kind und eine Jugendliche.

Am Dienstag hatte es im Gazastreifen und im besetzten Westjordanland Proteste gegen den sogenannten Flaggenmarsch gegeben, bei dem mehr als tausend ultrarechte Israelis durch Jerusalem gezogen waren. Im Gazastreifen ließen Demonstranten an der Grenze zu Israel Brandballons steigen, im Westjordanland setzten Demonstranten Autoreifen in Brand und bewarfen israelische Sicherheitskräfte mit Steinen.

Schon vor Beginn des Marsches war es in Ost-Jerusalem zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Sicherheitskräften gekommen, als diese im annektierten Ostteil der Stadt Straßen räumten. Während des Marsches waren tausende Polizisten im Einsatz, um Ausschreitungen zu unterbinden. 33 Palästinenser wurden nach Angaben von Rettungskräften verletzt. Die Polizei meldete 17 Festnahmen.

Mit dem Flaggenmarsch gedenken nationalistische Israelis der israelischen Besetzung von Ost-Jerusalem im Sechs-Tage-Krieg 1967.

(juju/AFP/rts)