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Bomber, U-Boote und Raketen: Moskau zeigt militärische Stärke

Bomber, U-Boote und Raketen : Moskau zeigt militärische Stärke

Russische Langstreckenbomber und Kampfjets vom Typ Suchoi fliegen im westlichen Luftraum. Die Nato kritisiert die Militärmanöver als "ungewöhnlich". Besteht tatsächlich Grund zur Sorge? Oder sind das nur Drohgebärden von Kremlchef Putin?

Wie zu Zeiten des Kalten Krieges lässt Moskau seine Kampfbomber wieder weit außerhalb russischer Grenzen über Atlantik, Pazifik und Nordpolarmeer kreisen. Die Nato kritisiert die Manöver als "ungewöhnlich".

Doch einen Grund, auf die Vorwürfe zu reagieren, sieht Moskaus Verteidigungsministerium nicht - wohl auch weil sich nicht nur die Luftstreitkräfte, sondern auch die russische Kriegsmarine mit ihren U-Booten und Raketenkreuzern auf der Seite des internationalen Rechts sehen.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu setzt vielmehr noch einen drauf: Bei Twitter ließ er ein Video veröffentlichen, das am Donnerstag den erfolgreichen Start einer atomar bestückbaren Interkontinentalrakete zeigte. 3000 Manöver habe Russland in diesem Krisenjahr abgehalten, davon mehr als 30 internationale, heißt es dort auch.

Vor allem im Westen fragten sich viele, ob dies nun eine gezielte Provokation oder eine ernste Drohgebärde der Russen sei. Schließlich ist das Verhältnis zwischen Russland und der Nato so gespannt wie seit Jahren nicht mehr.

Erst vor wenigen Tagen hatte Kremlchef Wladimir Putin bei einer internationalen Konferenz beklagt, dass die Weltgemeinschaft heute offenbar Russlands geopolitische Interessen völlig ignoriere. Zu Sowjetzeiten habe sich die Atommacht hingegen immer wieder Respekt verschaffen können - wenn auch nur mit militärischen Drohgebärden und Angstmache. Heute hingegen mache sich Missachtung breit, bedauerte Putin.

In einer ungewöhnlich scharfen Schmährede warf Putin den USA weltweites Vormachtstreben vor. Aggressiv mische sich das Land in die inneren Belange anderer Staaten ein - und schüre immer neues Chaos. "Putin trat wie ein Präsident in Kriegszeiten auf", meinte der Politologe Dmitri Trenin vom Moskauer Carnegie Center. Putin äußerte sich nicht nur mit Blick auf den Ukraine-Konflikt. Er erinnerte auch an die von Moskau seit Jahren angefeindeten Pläne einer westlichen Raketenabwehr für Mitteleuropa.

Kremlchef Putin hatte zuletzt auch betont, dass sich die internationale Bedrohungslage zunehmend verschärfe. Immer wieder versucht er angesichts der Spannungen mit dem Westen, das Sicherheitsgefühl der Russen zu stärken - eben auch mit solchen Manövern.

Nicht zuletzt lenken die militärischen Muskelspiele - wie zu Sowjetzeiten - von den wirtschaftlichen Problemen des Landes ab. Nicht nur die Sanktionen des Westens im Zuge des Ukraine-Konflikts, sondern auch der niedrige Ölpreis setzen der Wirtschaft zu.

Die russischen Manöver im Westen sind aber vor allem auch eine Antwort an die Nato. Der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte zuvor mitgeteilt, dass die Zahl der Nato-Jets im osteuropäischen Luftraum in den vergangenen Monaten verfünffacht worden sei.

Auch die häufige Präsenz von Nato-Schiffen im Schwarzen Meer stößt den Russen auf. "In diesem Jahr führen wir mehr als 200 Übungen (...) in Europa durch. Jeden zweiten Tag beginnt eine neue Übung", sagte Stoltenberg mit Blick auf die Ukraine-Krise und die antirussischen Ängste der östlichen Nato-Partner wie der Balten und der Polen.

Der Konfrontationskurs zwischen Russland und der Nato dürfte weitergehen. Anfang September beschlossen die 28 Nato-Staats- und Regierungschefs, erstmals seit Ende des Kalten Krieges wieder gegen Russland aufzurüsten. Als Konsequenz aus der Ukraine-Krise setzt die Allianz auf Abschreckung: Truppenstandorte werden verstärkt, eine schlagkräftige "Speerspitze" der Schnellen Eingreiftruppe (Nato Response Force) mit 3000 bis 5000 Soldaten wird aufgebaut. Es gilt als sicher, dass Russland das weitere Vorrücken des westlichen Militärblocks an seine Grenzen nicht unbeantwortet lassen wird.

(dpa)