"Mordkomplott gegen Erdogan": Gericht verurteilt 40 Männer zu viermal Lebenslang

Wegen "Mordkomplotts gegen Erdogan" : Gericht verurteilt 40 Männer zu viermal Lebenslang

Wegen versuchter Ermordung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan während des Putschversuchs vor mehr als einem Jahr sind 40 Angeklagte zu viermal lebenslanger Haft verurteilt worden.

Die meisten von ihnen seien Soldaten, berichtete der Staatssender TRT am Mittwoch. Das Gericht im westtürkischen Mugla habe zudem Erdogans ehemaligen Adjutanten zu 18 Jahren Haft verurteilt und eine weitere Person freigesprochen, berichtete der Sender NTV.

Der Prozess hatte im Februar begonnen. Die meisten Beschuldigten sollen zu einer Militäreinheit gehört haben, die in der Nacht des Umsturzversuches vom 15. Juli 2016 das Hotel in Marmaris an der Ägäis angegriffen hatte, in dem Erdogan mit seiner Familie Urlaub machte.

Erdogan, der sich in der Putschnacht mit seiner Familie in einem Luxushotel der südtürkischen Küstenstadt zum Urlaub befand, gab später an, in Marmaris nur um Minuten dem Tod oder der Gefangennahme durch die Putschisten entgangen zu sein. Allerdings gibt es Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussage, da die Putschisten das Hotel erst stürmten, als Erdogan es längst verlassen hatte.

Ihr Kommando traf nach offiziellen Angaben erst um 3.20 Uhr in dem Hotel ein. Zu diesem Zeitpunkt war Erdogan längst im Flugzeug auf dem Weg nach Istanbul. Als ein Helikopter das Hotel um 4.40 Uhr unter Beschuss nahm, war der Präsident bereits seit einer Stunde in Istanbul gelandet. Warum die Putschisten das Hotel trotzdem attackierten, gehört zu den bislang ungeklärten Fragen der Putschnacht.

Die Putschisten töteten 249 Menschen bei ihrem Versuch, die Macht in der Türkei an sich zu reißen, darunter zwei in Marmaris. Seit dem Putschversuch wurden zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger inhaftiert oder aus dem Staatsdienst entlassen. Derzeit läuft eine ganze Reihe von Prozessen gegen mutmaßliche Putschbeteiligte. In dem meisten Verfahren stehen die Urteile noch aus.

Die türkische Führung macht den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Putsch verantwortlich. Verfahren gegen Gülen selbst und gegen zwei weitere Angeklagte wurden laut NTV vom Hauptverfahren abgetrennt.

(felt)
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