Mord an Wiktorija Marinowa: Festgenommener Mann nicht tatverdächtig.

Nach Journalistinnenmord: Bulgarische Polizei bestätigt Festnahme

Die bulgarische Polizei hat im Fall der ermordeten Fernsehjournalistin Wiktorija Marinowa einen Mann in Gewahrsam genommen. Ein Verdacht erhärtete sich jedoch bis Dienstagabend nicht.

Ein Mann befinde sich für 24 Stunden zur Vernahme im Gewahrsam, erklärte der leitende Polizeibeamte in der Stadt Russe, Teodor Atanassow, am Dienstag. Bei ihm handele es sich um „einen Rumänen ukrainischer Abstammung“. Er sei jedoch vorerst nicht tatverdächtig. „Es wird sein Alibi geprüft“, erläuterte der regionale Polizeichef in der Donaustadt Russe, Teodor Atanassow. Am Dienstagabend wurde der Mann, der als Landstreicher in der Umgebung unterwegs sei, wieder freigelassen. Es gebe nicht genug Beweise und Indizien, berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf Ermittler. Auch weitere Personen würden befragt.

Die Staatsanwaltschaft teilte am Montagabend mit, sie habe Ermittlungen wegen des Verdachts des Missbrauchs von EU-Mitteln aufgenommen. Darüber hatte Marinowa berichtet, die am Samstag brutal vergewaltigt und ermordet nahe der Donau in der Stadt Russe aufgefunden wurde.

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Die bulgarischen Ermittler arbeiten unter einer enormen Anspannung: Die bürgerlich-nationalistische Regierung in Sofia wurde international aufgefordert, den Mord rasch aufzuklären. Der Fall Marinowa wurde zudem zum Politikum in Sofia. Die oppositionellen Sozialisten forderten von der Regierung und den zuständigen Behörden „Taten zur Aufdeckung des Motivs und der Ausführer des Verbrechens“. Die Ermittlung wird durch das tiefe Misstrauen vieler Bulgaren gegenüber den Behörden zusätzlich belastet.

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen verlangt schnelle und umfassende Aufklärung des Verbrechens. „Wir fordern die Behörden auf, (…) gründlich zu ermitteln. Die Straffreiheit, die bei vielen Verbrechen gegen Journalisten herrscht, ist nicht nur gefährlich für die Journalisten selbst, es ist ein fatales Signal in Sachen Informationsfreiheit und damit Demokratie in einem Land“, erklärte Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich.

(mlat/dpa)
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