Afrika-Blog: Mit Bundespräsident Horst Köhler in Ghana

Afrika-Blog: Mit Bundespräsident Horst Köhler in Ghana

Accra (RP). Bundespräsident Horst Köhler ist vier Tage lang im afrikanischen Land Ghana zu Gast. Dort diskutiert er mit jungen Führungskräften aus Deutschland und Afrika über die Zukunft des Kontinents. Unsere Mitarbeiterin Dirke Köpp begleitet den Bundespräsidenten und schildert hier ihre Erlebnisse.

Donnerstag, 11. Januar 2007

Um fünf Uhr morgens ist es im Januar in Berlin noch ziemlich kalt und ziemlich ungemütlich. Aber was tut man nicht alles, um mit dem Bundespräsidenten nach Afrika zu fahren. Mit der Präsidentenmaschine Theodor Heuss, einem der beiden VIP-Flugzeuge der Bundesregierung, geht es heute in die ghanaische Hauptstadt Accra (Westafrika).

Dorthin hat Horst Köhler 50 junge Führungskräfte aus Deutschland und 18 afrikanischen Ländern eingeladen, sich mit Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zu treffen und zu diskutieren. Thema des so genannten Afrika-Forums ist "Zwei Generationen — eine Zukunft".

Das Forum ist Teil der Initiative des Bundespräsidenten: "Partnerschaft mit Afrika", und es findet erstmals in Afrika statt, im nach dem früheren UN-Generalsekretär Kofi Annan benannten International Peacekeeping Training Centre in Accra. Beim Forum, aber auch und vor allem grundsätzlich im Dialog mit Afrika ist Horst Köhler besonders wichtig, dass die Gesprächspartner sich auf einer Ebene, auf Augenhöhe begegnen.

Das Leitthema dieses zweiten Forums der Partnerschaftsinitiative lautet "Zwei Generationen, eine Zukunft". Daher hat der Präsident gemeinsam mit dem ghanaischen Präsidenten John Agyekum Kufuor 50 junge Führungskräfte aus Deutschland und 18 afrikanischen Staaten eingeladen, sich mit knapp 30 hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu treffen und zu diskutieren.

Es soll um Themen gehen, die für die gemeinsame Zukunft Afrikas und Europas wichtig sind: Umwelt und wie man seinen natürlichen Lebensraum gestaltet, bewaffnete Konflikte und Gewalt im Alltag, Bildungschancen und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie die demokratische und gesellschaftliche Mitgestaltung durch die jungen Leute. Ziel ist, mit Hilfe der Initiative "Partnerschaft mit Afrika" Netzwerk zwischen jungen Führungskräften zu knüpfen, gemeinsame Perspektiven zu erarbeiten und eine "von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägte Partnerschaft" zu begründen.

Die Liste der Teilnehmer liest sich ein bisschen wie ein Who is Who des afrikanischen Kontinents: Immerhin fünf Präsidenten sind dabei: der ghanaische Präsident Kufuor, seine liberianische Kollegin Ellen Johnson-Sirleaf, Festus Mogae aus Botswana, das beninische Staatsoberhaupt Thomas Yayi Boni sowie aus Nigeria Olusegun Obasanjo.

Ebenso dabei sind der Vorsitzende der Afrikanischen Union, Alpha Oumar Konaré, Afrikas bekannteste Modeschöpferin, die Senegalesin Oumou Sy, der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka und der frühere Bundesliga-Fußballspieler Anthony Baffoe (Fortuna Düsseldorf, 1. FC Köln), der im ghanaischen Fußballverband für die internationalen Beziehungen zuständig ist.

  • Nach Erinnerung an Studentenaufstand : Linksextreme liefern sich in Athen Straßenschlachten mit Polizei

Von deutscher Seite sind dabei: deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die frühere Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Uschi Eid, der CDU-Politiker und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, Ruprecht Polenz, sein Stellvertreter im Ausschuss, der SPD-Politiker Hans-Ulrich Klose, BAP-Musiker Wolfgang Niedeggen; aber auch der schwedische Autor Henning Mankell kommt, um mit den jungen Führungskräften zu diskutieren: Er wurde vor allem mit seinen Krimis über Kommissar Kurt Wallander bekannt, schreibt aber auch über Afrika.

Dass das Forum in Ghana stattfindet, hat für Afrika hohen symbolischen Wert: Ghana wurde vor 50 Jahren als erster Staat des afrikanischen Kontinents unabhängig. Das Afrika-Forum ist Auftakt für die Feierlichkeiten, mit denen das Land des historischen Ereignisses von 1957 gedenkt.

Nach dem etwa sechs Stunden langen, ruhigen Flug kommen wir in Ghana an, und der Bundespräsident wird mit militärischen Ehren begrüßt. Am Fuß der Gangway wird er von Präsident John Kufuor in die Arme geschlossen und herzlich mit "Welcome Back" begrüßt. Köhler ist zwar der erste deutsche Bundespräsident, der das westafrikanische Land besucht — er selbst aber war schon einmal da: vor einigen Jahren, als er noch Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) war.

Und den ghanaischen Präsidenten hat er noch vor Kurzem in Deutschland gesehen: bei der WM. Die ghanaische Mannschaft nahm zum ersten Mal an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil, und die Stimmung im Land war super — bis die Ghanaer auf Italien trafen. Aber davon haben wir ja auch ein Liedchen zu singen…

Fußball ist eines der Themen, das im Diskurs von Köhler und Kufuor immer wieder auftaucht; sie haben sich das Spiel Ghana — Italien gemeinsam angesehen — und zehren immer wieder von den Erinnerungen daran. — Das hindert den Bundespräsidenten aber nicht, durchaus auch mal kritische Töne über die ghanaische Politik anzubringen. Ghana gilt zwar als einer der Modellstaaten Afrikas und ist ein großer Faktor für Stabilität in Westafrika, dennoch gibt es auch dort noch einiges, z.B. Korruption, zu kritisieren. Aber Korruption ist derzeit in Deutschland mit dem Skandal um Siemens ja auch ein großes Thema!

Nach der Begrüßung auf dem Flughafen, bei der ich in der Gruppe der jungen Führungskräfte sogar ein paar Bekannte treffe, geht es in Richtung Hotel: im Konvoi. Das Durch-die-Stadt-Hetzen in der Kolonne ist ein wenig gewöhnungsbedürftig: Zum einen, weil man immer schon in die Autos gescheucht wird, wenn der Bundespräsident noch gar nicht daran denkt, selbst überhaupt einzusteigen — und man dadurch dann ständig wartet, während man vorher immer in einem Zustand leichter Panik schwebte, das Auto könnte ohne einen abfahren -, zum anderen, weil es einfach nicht schön ist, in so einem Affenzahn durch die Stadt zu fahren…

Jedenfalls ging es dann ins Hotel, wo sich Herr Köhler nach einer Mini-Verschnaufpause gleich mit Experten der Entwicklungszusammenarbeit traf — und ich ohne Mini-Verschnaufpause gleich zu dem entsprechenden Raum raste, um den Anfang nicht zu verpassen. ;-) War ganz spannend, weil Herr Köhler da durchaus kritische Töne der Geberseite - also den Europäern — gegenüber hat anklingen lassen. Im Laufschritt ging es nach der Diskussion dann weiter zum Treffen mit dem Staatspräsidenten… Später mehr!

Mehr von RP ONLINE