Wladimir Putin feiert Geburtstag: Mit 60 eiserner denn je

Wladimir Putin feiert Geburtstag : Mit 60 eiserner denn je

Wladimir Putin, Herrscher des Kreml. Am Sonntag feierte er seinen 60. Geburtstag. Anzeichen von Amts- oder gar Altersmüdigkeit lässt der bekennende Macho jedoch nicht ansatzweise erkennen. Im Gegenteil. Putin herrscht autoritärer als je zuvor.

Bereits 13 Jahre währt die Ära Putin, doch ans Aufgeben scheint der russische Präsident noch lange nicht zu denken. Erst am 7. Mai trat der ausgewiesene Machtmensch Wladimir Putin trotz Massenprotesten gegen ihn eine neue sechsjährige Amtszeit im Kreml an, eine weitere ist laut Verfassung möglich. Damit könnte Putin, der am Sonntag in seiner Heimatstadt St. Petersburg seinen 60. Geburtstag feierte, noch bis 2024 an der Spitze Russlands stehen.

Um seine Macht zu zementieren, hat der Meister der "gelenkten Demokratie" seit Mai nichts unversucht gelassen. Nach den Massenprotesten gegen den umstrittenen Ämtertausch mit seinem Zögling Dmitri Medwedew und Manipulationen der dazu abgehaltenen Wahlen ließ Putin unter anderem das Demonstrationsrecht verschärfen, die Meinungsfreiheit weiter einschränken und Nichtregierungsorganisationen als "Auslandsagenten" abstempeln.

Beobachter erwarten, dass der Herrscher im Kreml nach seinem 60. Geburtstag die Zügel noch einmal anzieht. So kritisierte er kürzlich selbst Ministerpräsident Medwedew öffentlich, den er von 2008 bis 2012 als Platzhalter im Kreml installiert hatte, weil die Verfassung Putin drei Amtszeiten hintereinander als Präsident verbot. In dieser Zeit behielt Putin als Ministerpräsident weiter das Sagen.

Geboren wurde Putin am 7. Oktober 1952 in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Nach dem Jura-Studium trat er 1975 in den Auslandsgeheimdienst ein, der damals Teil des KGB war. Von 1985 bis 1990 arbeitete er als Agent in der damaligen DDR und spricht seitdem fließend Deutsch. Acht Jahre später stieg er zum Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB auf.

Als Staatschef Boris Jelzin Putin im August 1999 überraschend zu seinem Ministerpräsidenten und Kronprinzen machte, war dieser ein politischer Nobody. Als FSB-Chef verfügte er aber über beste Kontakte in die Sicherheitsapparate des Staates, auf die er dann seine Macht aufbaute. Mit markigen Sprüchen im Konflikt mit den tschetschenischen Rebellen machte er sich alsbald einen Namen, den er mit dem Einmarsch russischer Truppen in Tschetschenien am 1. Oktober 1999 - dem Beginn des zweiten Tschetschenien-Kriegs - nur unterstrich. Die Präsidentenwahl im Frühjahr 2000 gewann Putin in einem Erdrutschsieg.

Dem Parlament entzog Putin zahlreiche Befugnisse, unbotmäßige Medien ließ er schließen oder auf Linie bringen. Auch mit widerspenstigen Oligarchen legte er sich immer wieder an. Der einstige Ölmagnat und damals reichste Mann Russlands, Michail Chodorkowski, ein erklärter Kreml-Gegner, wurde 2003 wegen Unterschlagung und Steuerhinterziehung verhaftet. Er sitzt bis heute im Gefängnis. Auch drei Musikerinnen der Band Pussy Riot sind seit März in Haft, weil sie in einem "Punkgebet" in einer Moskauer Kathedrale die Gottesmutter Maria baten, sie von Putin zu "erlösen".

Sich selbst präsentiert der Vater zweier Töchter gerne als harter Mann: Der Träger eines schwarzen Gürtels demonstrierte öffentlich sein Judo-Können, ritt mit freiem Oberkörper durch die Taiga und posierte mit Raubtieren vor Kameras. Nur als er im Sommer 2011 beim Tauchen zwei antike griechische Vasen "fand", musste sogar Putins Umfeld einräumen, dass dies vielleicht ein bisschen zu dick aufgetragen war. Das hielt ihn Anfang September jedoch nicht davon ab, sich als "Leitvogel" seltener Kraniche zu inszenieren, denen er im Ultraleichtflieger den richtigen Weg ins Winterquartier zeigte.

Wenn seine Kritiker auch über Putins Inszenierungen spotten, gerade bei vielen jungen Russen kommt das Macho-Gehabe des Kreml-Herrschers an. Zu seinem Geburtstag vor zwei Jahren machten ihm glühende Verehrerinnen ein besonderes Geschenk: Die Studentinnen ließen sich barbusig für einen Kalender mit schriftlichen Liebesbekundungen ablichten. In diesem Jahr bekam er von jungen Damen immerhin einen Kuchen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Wladimir Putin - eitel, autoritär, entschlossen

(AFP)