1. Politik
  2. Ausland

Rebellenangriff: Mindestens 500 Tote bei Umsturzversuch im Tschad

Rebellenangriff : Mindestens 500 Tote bei Umsturzversuch im Tschad

N'Djamena (rpo). Bei einem Umnsturzversuch sind im Tschad mindestens 500 Menschen und Dutzende Soldaten getötet worden. Nach blutigen Gefechten in der Hauptstadt N'Djamena erklärte die Regierung den Rebellenaufstand für beendet. Präsident Idriss Déby beschuldigte das Nachbarland Sudan, die Rebellen zu unterstützen.

Soldaten führten am Freitag mehr als 250 Gefangene durch die Stadt und legten vor dem Parlamentsgebäude Leichen nieder, um ihren Triumph zu demonstrieren. Der Präsident brach die diplomatischen Beziehungen zu Khartum ab und drohte mit einer Ausweisung aller im Tschad lebenden sudanesischen Flüchtlinge.

Die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union (AU) müssten die Versuche des Sudans stoppen, den Tschad zu destabilisieren, forderte Déby. Andernfalls werde er die 200.000 überwiegend aus der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur stammenden Flüchtlinge des Landes verweisen. Der Präsident hatte 1990 selbst in einem von Darfur aus gestarteten Putsch die Macht ergriffen.

Während der Tschad dem Nachbarland die Unterstützung von tschadischen Rebellen vorwirft, hat der Sudan die Behörden in N'Djamena beschuldigt, den Rebellen aus Darfur Unterschlupf zu bieten. UN und AU verurteilten am Donnerstag den Rebellenangriff auf N'Djamena und riefen die beiden Nachbarstaaten auf, die Krise beizulegen. Erst im Februar hatten die Regierungen ein Friedensabkommen unterzeichnet.

Bei den Gefechten um N'Djamena kamen nach Angaben der Regierung mindestens 350 Menschen ums Leben. Diese Zahl schließe Rebellen, Regierungstruppen und auch Zivilisten ein, sagte der Minister für Landfragen, General Mahamet Ali Abdullah. 271 Rebellen seien gefangen genommen worden.

Zweiter Putschversuch in einem Monat

Der Rebellenangriff war der zweite Umsturzversuch in einem Monat. Erst am 14. März hatten meuternde Offiziere versucht, in Abwesenheit Débys die Macht an sich zu reißen. Die nächste Präsidentenwahl soll in drei Wochen stattfinden, am 3. Mai. Déby sagte am Donnerstag, er werde seinen Wahlkampf fortsetzen.

In den Reihen der Rebellen kämpften auch dieses Mal Überläufer der tschadischen Streitkräfte mit. Der Angriff auf N'Djamena begann am frühen Donnerstagmorgen, die Regierungstruppen trieben die Rebellen mit Panzern und Kampfhubschraubern zurück. Innerhalb von nur drei Tagen waren die Aufständischen von ihren rund 1.000 Kilometer von N'Djamena entfernten Stellungen im Osten des Landes auf die Hauptstadt vorgerückt.

Laut Berichten auf einer Web-Site, deren Autoren nach eigenen Angaben für die Rebellen sprechen, sammelten sich die Aufständischen am Donnerstag im Norden und Osten der Hauptstadt und formierten sich neu. Auf der Web-Site hieß es ferner, die Rebellen kontrollierten die Städte Adre und Am-Timam nahe der sudanesischen Grenze. Eine unabhängige Überprüfung dieser Berichte war nicht möglich.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) teilte am Donnerstag mit, es habe mit der Evakuierung aller nicht unmittelbar benötigten Mitarbeiter von UN- und Nichtregierungsorganisationen aus N'Djamena begonnen. 148 Personen seien nach Kamerun ausgeflogen worden, wo sie bis zu einer Entspannung der Lage im Tschad bleiben sollten.

EU verurteilt Rebellenangriff auf Flüchtlingslager

Nach einem Angriff von Rebellen auf ein Lager mit Flüchtlingen aus dem Nachbarland Sudan sprach das Flüchtlingshilfswerk UNHCR von einer äußerst Besorgnis erregenden Lage. Die EU-Ratspräsidentschaft verurteilte den Angriff am Donnerstag und rief alle Beteiligten in der Region zur Ruhe auf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Krieg in Darfur

(ap)