Bericht der Uno 120 Millionen Menschen auf der Flucht – mehr als je zuvor

Genf · Die Zahl der Menschen auf der Flucht steigt. Weltweit sind durch Kriege, Konflikte, Gewalt und Verfolgung so viele Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wie nie zuvor. Die meisten bleiben in der Nähe.

Die meisten Flüchtlinge bleiben in ihrem Land: Ein kleiner Junge steht im Januar 2024 auf schlammigem Boden in einem Flüchtlingslager im Norden Syriens (Archivfoto).

Die meisten Flüchtlinge bleiben in ihrem Land: Ein kleiner Junge steht im Januar 2024 auf schlammigem Boden in einem Flüchtlingslager im Norden Syriens (Archivfoto).

Foto: dpa/Anas Alkharboutli

So viele Menschen wie nie zuvor sind weltweit vor Gewalt, Krieg, Konflikten und Verfolgung auf der Flucht. Im Mai waren es 120 Millionen, fast zehn Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Donnerstag in Genf berichtete. Es war der zwölfte Anstieg der Zahlen in Folge. Rund 1,5 Prozent der gesamten Weltbevölkerung ist damit aus ihrer Heimat vertrieben, wie aus dem neuen Weltflüchtlingsbericht hervorgeht. Demnach ist statistisch einer von 69 Menschen auf der Flucht. Vor zehn Jahren war es noch einer von 125.

Mehr als zwei Drittel der Menschen suchen innerhalb der Grenzen des eigenen Heimatlandes eine Bleibe. Von jenen, die doch das Land verlassen, leben zwei Drittel in Nachbarländern, die meist selbst arm sind. Viele harren dort in der Hoffnung aus, zügig in ihre Heimatländer zurückkehren zu können.

Bei den Menschen, die längerfristig in der Ferne Schutz suchen, standen vor allem die USA und Deutschland hoch im Kurs:

Die USA verzeichneten mit Abstand die meisten Asylanträge, insgesamt 1,2 Millionen. Danach folgte mit großem Abstand Deutschland mit rund 330.000 Anträgen, vor Ägypten, Spanien und Kanada.

Die Zahlen sind von Jahr zu Jahr nur bedingt vergleichbar, weil die Datenlage in manchen Ländern besser wird und die Erhebungsmethoden sich teils ändern. Rekorde beziehen sich auf den Zeitraum seit 1951, als das UNHCR erstmals Flüchtlingszahlen ermittelte.

Die größten neuen Vertreibungen gab es laut UNHCR im vergangenen Jahr durch den Bürgerkrieg im Sudan, im Gazastreifen sowie durch eskalierende Gewalt in Myanmar. In Afghanistan, der Ukraine, der Demokratischen Republik Kongo sowie in Haiti und Syrien setzte sich eine schwierige Situation fort.

Regionen, die durch Konflikte, Armut, Hunger und schlechte Regierungsführung geprägt sind, liegen auch dort, wo die Klimakrise besonders spürbar ist, heißt es in dem Bericht: „Ende 2023 lebten fast drei Viertel der gewaltsam Vertriebenen in Ländern, die hohen bis extrem hohen klimabedingten Gefahren ausgesetzt waren.“ Dazu gehörten die Demokratische Republik Kongo, Somalia, Sudan, Syrien und Jemen.

Der Kampf um Ressourcen in Zufluchtsländern, die vom Klimawandel stark betroffen sind, könne weitere Fluchtbewegungen auslösen, etwa dort, wo das Trinkwasser schon knapp ist, oder Dürre immer mehr Ernten vernichtet und Vieh mangels Wasser und Nahrung verendet.

(peng/dpa/epd/kna)