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Midterm-Election 2018 in USA: „Wahlausgang hat Trump gestärkt“

Analyse von Politikberater Wallrabenstein : „Trump verliert die Frauen und die gut gebildete Jugend“

Axel Wallrabenstein ist Politikberater, PR-Experte und Chef der Berliner Unternehmensberatung MSL Germany. Er war eine Woche in den USA, um den Wahlkampf der Demokraten und der Republikaner zu beobachten. Über seine Eindrücke hat er mit unserer Redaktion gesprochen.

Die Demokraten holen die Mehrheit im Repräsentantenhaus, die Republikaner halten ihre Mehrheit im Senat. Spiegelt das Ergebnis die Spaltung im Land wider?

Axel Wallrabenstein Ja, das ist wohl so. Die Spaltung der Gesellschaft ist offensichtlich. Und Donald Trump lebt von dieser Spaltung. Wenn seriös über Inhalte diskutiert würde, dann könnte er kaum punkten. Interessant ist, dass auf lokaler Ebene die Zusammenarbeit zwischen den Parteien und in den Parlamenten sachorientiert und viel besser funktioniert als in Washington DC. Aber das Land ist gespalten und alle diskutieren hier, wie man diese Spaltung mittelfristig überwinden kann. Mit diesem Präsidenten dürfte das sehr schwierig werden.

Die Wahlen galten als Testwahl für die Präsidentenwahl. Woran kann man das festmachen?

Wallrabenstein Der Aufwand bei diesen Midterms war atemberaubend. In Texas hat der demokratische Kandidat für das Senatorenamt, O’Rourke, mit fast 70 Millionen Dollar fast so viel Geld in seine Kampagne investiert wie der letzte Bundestagswahlkampf in ganz Deutschland für alle Parteien gekostet hat.

Wie haben Sie die Trump-Rallyes vor Ort erlebt?

Wallrabenstein Trump setzt voll auf Konfrontation und Polarisierung, um seine Kernwählerschaft zu mobilisieren. Insbesondere in den Staaten im Rust-Belt, wo er 2016 knapp oder überraschend gewonnen hat. Migration und Wirtschaft stehen im Mittelpunkt. Seine Sprache ist bewusst spaltend und aggressiv gegenüber Migranten und Minderheiten. In Cleveland und Columbus, Ohio konnte ich an mehreren Veranstaltungen von Kandidaten für den Kongress und die Governeurswahl teilnehmen. Die republikanische Basis ist teilweise extrem verunsichert und es gibt Kandidaten, die sich offen von Trump distanzieren. Am Ende wird man aber mit ihm gewinnen wollen. Trump mobilisiert, und das ist entscheidend.

Was fasziniert die Unterstützer an Trump?

Wallrabenstein Trump gibt sich als der Präsident der kleinen Leute und spricht eine klare Sprache. Die Wirtschaft brummt und das ist sein Hauptargument, obwohl der wirtschaftliche Aufschwung und der Rückgang der Arbeitslosigkeit schon unter Obama eingesetzt hat. Seine Anhänger sind mehrheitlich weniger gebildete Weiße aus der Mitte der USA. Sie vertrauen ihm und stören sich nicht an der latenten Polarisierung und Aggressivität. Problem für Trump: Er verliert die Frauen noch stärker und auch Migranten und Minderheiten sowie die gut gebildete Jugend, die in diesem Wahlkampf extrem mobilisiert. Das wichtigste Thema im Wahlkampf ist übrigens Healthcare/Gesundheit mit 71 Prozent bei Demokraten und immerhin 37 Prozent bei Republikanern.

Hat der US-Präsident Ihrer Meinung Chancen auf eine zweite Amtszeit?

Wallrabenstein Der Wahlausgang dürfte Trump in seiner republikanischen Partei eher gestärkt haben, auch wenn die Republikaner das Repräsentantenhaus und viele Gouverneure verloren haben. Kandidaten, die er direkt unterstützt hat, haben gewonnen und einige gemäßigte Abgeordnete der Republikaner haben es nicht geschafft. Bei den Demokraten ist das Bild eher bunter geworden, mehr Frauen, Minderheiten. Das dürfte noch konfrontativer werden in den kommenden zwei Jahren und Trump für 2020 in die Hände spielen, wenn er wieder antreten will.