Michael Bloomberg entschuldigt sich für Fehler in seiner Zeit als Bürgermeister New Yorks

New Yorks Ex-Bürgermeister im Wahlkampf : Bloomberg entschuldigt sich für Polizeieinsätze gegen Schwarze und Latinos

Als Michael Bloomberg Bürgermeister von New York war, gab die „Stop and Frisk“-Taktik der Polizei weitreichende Befugnisse. In Brooklyn hat sich der mögliche US-Präsidentschaftskandidat für die umstrittene Methode entschuldigt.

Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg hat sich für seine langjährige Unterstützung des umstrittenen "Stop and Frisk"-Polizeivorgehens entschuldigt. "Ich lag falsch und es tut mir leid", sagte der Milliardär am Sonntag in einer mehrheitlich von Afroamerikanern besuchten Kirche im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Mit der "Stop and Frisk"-Taktik wurden überproportional viele schwarze und lateinamerikanische Bewohner der Großstadt kontrolliert und durchsucht.

„Viel zu viele unschuldige Menschen wurden dabei gestoppt“, die Mehrheit davon Schwarze und Latinos, sagte der 77-Jährige in Brooklyn. Womöglich seien auch Mitglieder dieser Gemeinde betroffen gewesen, sagte er. Diese Kontrollen seien erst zu spät zurückgefahren worden. „Ich habe Fehler gemacht“, sagte Bloomberg. Er habe allerdings noch nie jemanden getroffen, der keinen Fehler gemacht habe. „Das Entscheidende ist, ob man es zugeben kann.“

Bloombergs Worte wurden von Kritikern mit Skepsis aufgenommen. Viele deuteten seinen Auftritt als Versöhnungsgeste an Schwarze und Latinos - wichtige Wählergruppen der Demokraten, deren Unterstützung er bei einer Präsidentschaftskandidatur bräuchte. Eigentlich hatte Bloomberg erklärt, er werde nicht für das Amt des US-amerikanischen Präsidenten kandidieren. Zuletzt verdichteten sich aber die Anzeichen, dass er doch seinen Hut in den Ring wirft. Der Milliardär ließ sich in den US-Bundesstaaten Arkansas und Alabama für die Vorwahl der Demokraten registrieren.

Der 77-jährige Bloomberg hatte lange Zeit seine Unterstützung für die aggressive Taktik verteidigt, die der New Yorker Polizei weitreichende Befugnisse gab, jeden zu durchsuchen, den sie der Kriminalität verdächtigte. Das Vorgehen wurde später als verfassungswidrig eingestuft.

Auf dem Höhepunkt von "Stop and Frisk" im Jahr 2011 waren 87 Prozent der 685.000 kontrollierten Menschen Schwarze oder Latinos, berichtete die "New York Civil Liberties Union". Ungefähr der gleiche Anteil wurde später von jeglichen Vorwürfen freigesprochen.

Bloomberg, der einst das nach ihm benannte Finanz- und Medienunternehmen gründete, gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Er könnte erhebliche Finanzmittel in einen Wahlkampf gegen Präsident Donald Trump einbringen, der bei der Wahl 2020 erneut für die Republikaner antreten will.

(juju/AFP/dpa)
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