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Vier Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet: Merkel: "Wir müssen diesen Einsatz fortführen"

Vier Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet : Merkel: "Wir müssen diesen Einsatz fortführen"

Kundus (RPO). Vier deutsche Soldaten sind nahe der afghanischen Stadt Kundus bei Kämpfen mit den Taliban getötet worden. Nach Informationen des Verteidigungsministeriums wurden die Soldaten auf Patrouillenfahrt mit Panzerfäusten beschossen. Weitere fünf Soldaten wurden bei den Kämpfen zum Teil schwer verletzt. Erst am Karfreitag waren drei Deutsche ums Leben gekommen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg kehrte umgehend nach Afghanistan zurück. Kanzlerin Angela Merkel äußerste sich aus San Francisco: " Wir müssen diesen Einsatz fortführen".

Gegen 12.00 Uhr deutscher Zeit wurde sechs Kilometer nördlich der Stadt Baghlan ein gepanzertes Fahrzeug vom Typ "Eagle" vermutlich von einer Rakete getroffen, wie es in der Mitteilung an den Bundestag hieß, die der DAPD vorlag.

In der Provinz Baghlan, die sich in den vergangenen Monaten zu einer Hochburg der Taliban entwickelt hat, wurde nach Angaben der afghanischen Behörden heftig gekämpft. Afghanische, deutsche und andere internationale Truppen lieferten sich nach Auskunft des örtlichen Polizeisprechers Habib Rahman Gefechte mit rund 400 Taliban-Kämpfern.

Sie setzen dabei schwere Waffen ein. Rahman sagte, drei afghanische Polizisten seien ums Leben gekommen. Nach Auskunft des deutschen Verteidigungsministeriums befanden sich die Bundeswehr-Truppen auch nach dem tödlichen Zwischenfall weiter in dem umkämpften Einsatzraum. Mittlerweile sind die Gefechte beendet.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der schon auf dem Rückweg von einem Truppenbesuch nach Deutschland war, verlängerte wegen des tödlichen Zwischenfalls seinen Aufenthalt in Afghanistan. Nach Auskunft seines Ministeriums flog der CSU-Politiker ins Feldlager Masar-i-Sharif, wohin die Verletzten zur medizinischen Versorgung gebracht wurden. Er äußerte sich "tief traurig" über die Nachricht.

Merkel: Wir müssen diesen Einsatz fortführen

Die Bundesregierung hält trotz der erneuten Todesfälle in Afghanistan an dem Bundesweheinsatz am Hindukusch fest. "Das ist ein schwieriger Einsatz, der aber der Sicherheit unseres Landes dient", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in San Francisco, am vierten Tag ihrer USA-Reise. "Die Soldaten sind in einem schwierigen Einsatz gefallen", sagte Merkel. Sie sprach den Angehörigen der Opfer ihr "tiefes Beileid" aus. Ihre Gedanken seien bei ihnen, aber auch bei den Soldaten vor Ort.

Merkel sah keinen Anlass, das Bundestagsmandat des Afghanistan-Einsatzes zu ändern. Es gehe nicht nur um die Sicherheit in Afghanistan und eine Übergabe an die örtlichen Sicherheitskräfte in Verantwortung, sondern auch um Sicherheit für Deutschland und Europa. "Wir müssen diesen Einsatz fortführen", sagte Merkel. Sie begrüßte, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Afghanistan-Aufenthalt verlängert und sich vor Ort um die Klärung des Zwischenfalls kümmert.

  • Waffen und Fahrzeuge der Bundeswehr in Afghanistan
  • Tödliche Angriffe auf die Bundeswehr
  • Fotos : Letzte Ehre für die gefallenen deutschen Soldaten

Merkel hatte schon am vergangenen Freitag einer Trauerfeier in Selsingen für die am Karfreitag gefallenen deutschen Soldaten beigewohnt und die Bedeutung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan betont. Merkel sagte vor eienr Woche, sie stehe voll hinter diesem Einsatz, denn es gehe um die Sicherheit. Und ja, er erfordere einen langen Atem. "Was auf dem Spiel steht, ist ganz und gar nicht weit weg", erinnerte sie an die Gründe, warum deutsche Soldaten nach Afghanistan gegangen waren. Sie erinnerte an die blutigen Anschläge von Madrid und London. Daher liege der Einsatz im dringenden Interesse im Einsatz des Landes.

Bestürzung über tote Bundeswehrsoldaten

Außenminister Guido Westerwelle verurteilte am Donnerstag den tödlichen Angriff nahe Baghlan in Nordafghanistan und sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. "In dieser schweren Stunde sind all unsere Gedanken und unser Mitgefühl bei den Opfern, ihren Familien und Angehörigen, ihren Kameraden und Freunden", erklärte der Vizekanzler. Westerwelle erklärte, der Anschlag "traf die gefallenen Soldaten, er trifft uns, er trifft alle Deutschen."

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Wir Sozialdemokraten verurteilen den feigen und hinterhältigen Anschlag auf das Schärfste." SPD-Parteichef Sigmar Gabriel erklärte in Berlin: "Ich bin tief erschüttert über den Tod der deutschen Soldaten."

Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Elke Hoff, rief in Erinnerung: "Die Soldaten opferten in Afghanistan ihr Leben, um ihren Auftrag zu erfüllen, die afghanische Bevölkerung zu schützen und beim Wiederaufbau des Landes zu helfen."

Bestürzt zeigten sich auch die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin. "Wir verurteilen diesen feigen und abscheulichen Anschlag der Taliban auf die gemeinsame Patrouille deutscher, belgischer und afghanischer Soldaten aufs Schärfste." Der Vorfall zeige einmal mehr, welch großem Risiko die Soldaten jeden Tag am Hindukusch ausgesetzt seien.

Die Linken nahmen den Anschlag erneut zum Anlass, den sofortigen Abzug der Truppe aus Afghanistan zu fordern. "Ein weiterer Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan ist absolut unverantwortlich", erklärte die Verteidigungsexpertin Inge Höger.

Der Bundeswehrverband zeigte sich "bestürzt und wütend". Spätestens jetzt dürften Politik und Öffentlichkeit nicht mehr die Augen davor verschließen, in welch kriegsähnlicher Situation sich die Bundeswehr vor allem im Raum Kundus seit langem befinde, erklärte Verbandsvize Wolfgang Schmelzer.

Debatte über Ausrüstung

Nach dem Tod von drei Bundeswehr-Soldaten bei schweren Gefechten mit den radikalislamischen Taliban am Karfreitag war eine Debatte über die Ausrüstung der deutschen Einheiten in Afghanistan entbrannt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kündigte am Mittwoch die Verlegung schwerer Waffen in das Einsatzgebiet an.

Am Donnerstagmorgen war bekannt geworden, dass die Bundeswehr weitere 60 gepanzerte Fahrzeuge für den Afghanistan-Einsatz bestellt hat. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtete, soll der Vertrag mit dem Schweizer Hersteller Mowag in dieser Woche unterzeichnet werden. Für 2011 ist demnach die Bestellung weiterer 90 geschützter Fahrzeuge vom Typ Eagle IV vorgesehen.

Der Einsatz der Bundeswehr führt seit Tagen zu politischen Debatten in Berlin. Minister Guttenberg widersprach der Ansicht von SPD-Chef Sigmar Gabriel, es werde ein neues Bundestagsmandat für den Einsatz in Afghanistan benötigt, da jetzt auch von der Bundesregierung von "Krieg" gesprochen werde. "Wir haben ein Mandat, das eine Rechtsgrundlage hat. Diese Rechtsgrundlage gilt auch für die Realitäten, die wir in Afghanistan antreffen", sagte Guttenberg.

Man könne aber durchaus auch Worte wählen, "die in der Umgangssprache Bedeutung haben und die Soldaten sowie auch die Bevölkerung versteht". Um die konkreten juristischen Beschreibungen könne man sich aber nicht drücken.

Hier geht es zur Bilderstrecke: April 2010: Guttenbergs Besuch in Afghanistan

(APN/RTR/CSI/felt)