Studie zu 9/11-Ermittlungen: Mediziner an Folter der CIA beteiligt

Studie zu 9/11-Ermittlungen : Mediziner an Folter der CIA beteiligt

Waterboarding, Zwangsernährung, Schlafentzug: Eine neue Studie beschuldigt Ärzte und Pfleger, an der Misshandlung von Häftlingen während Verhören in US-Militärgefängnissen wie Guantanamo beteiligt gewesen zu sein. Sie sollen die Foltermethoden weiterentwickelt und den Opfern schwere Schmerzen zugefügt haben.

Ärzte und Pfleger haben sich einer Studie zufolge an Misshandlungen von Häftlingen in Gefängnissen des US-Geheimdienstes CIA und des Pentagon beteiligt. Im "Krieg gegen den Terrorismus" hätten US-Verteidigungsministerium und CIA die Mediziner zu Komplizen bei der Erpressung von Informationen gemacht, heißt es in der am Montag veröffentlichten unabhängigen Studie.

Sprecher von CIA und Pentagon warfen den Experten "schwere Ungenauigkeiten" und "falsche Schlussfolgerungen" vor.

An der dreijährigen Studie "Ethics Abandoned: Medical Professionalism and Detainee Abuse in the War on Terror" haben 20 Experten aus den Bereichen Medizin, Recht und Militär mitgearbeitet. Sie schreiben, unter dem Druck von Militär und Geheimdienst hätten die Mediziner an der Entwicklung und Anwendung von Foltermethoden sowie an der "grausamen, unmenschlichen und entwürdigenden Behandlung" von Häftlingen in Guantanamo, Afghanistan und anderen CIA-Geheimgefängnissen teilgenommen und den Opfern "schwere Schmerzen zugefügt".

Medizinischer Eid gebrochen

Einer der Autoren, der Medizinprofessor Gerald Thomson von der Columbia Universität in New York, warf dem Militär vor, den medizinischen Eid im Namen der nationalen Sicherheit gebrochen zu haben. Ärzte und Sanitäter hätten durch ihre Präsenz Praktiken wie etwa das Waterboarding, die Ausnutzung von Phobien, Lärm- und Stressbelastung, Sensorische Deprivation oder Zwangsernährung von hungerstreikenden Guantanamo-Insassen "legitimiert", indem sie das Vorgehen als medizinisch hinnehmbar bezeichnet hätten, sagte der Medizinrechtler Leonard Rubinstein von der John Hopkins Universität.

Die Foltermethoden in Guantanamo kamen im Zuge der Ermittlungen ans Licht, die durch den Skandal im irakischen Gefängnis Abu Ghraib 2004 ausgelöst wurden. Nachdem bekannt wurde, dass amerikanische Soldaten in Abu Ghraib Gefangene gefoltert hatten, wurden breite Untersuchungen angestoßen, die den Gebrauch von "erweiterten" Verhörmethoden verteidigten.

CIA-Kommunikationsdirektor Dean Boyd erinnerte daran, dass US-Präsident Barack Obama die CIA-Verhöre und Inhaftierungen dann im Jahr 2009 beendet habe. Doch Thomson kritisiert, dass diese Richtlinien noch immer schwammiger seien, als die vor 2001 gültigen.

Pentagon-Sprecher Todd Breasseale erklärte, die Autoren der Studie hätten weder Zugang zu den Gefangenen von Guantanamo noch zu ihren Gesundheitsdossiers gehabt. Er lobte die "große Professionalität" der Ärzte, diese hätten den Gefangenen die "beste medizinische Versorgung" zukommen lassen.

Mehr als 100 Häftlinge starben zwischen 2002 und 2005 in US-Gefangenschaft, 43 der Fälle wurden als Totschlag klassifiziert, berichtet der US-Sender "CNN".

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(AFP/jre)
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