Entscheidende Wahlrunde hat begonnen: Mattarella könnte Italiens neuer Präsident werden

Entscheidende Wahlrunde hat begonnen : Mattarella könnte Italiens neuer Präsident werden

In Rom hat am Samstagmorgen die vierte und entscheidende Runde der italienischen Präsidentenwahl begonnen. Mit einem Ergebnis der Abstimmung der 1009 Stimmberechtigten der Wahlversammlung wird gegen 13 Uhr gerechnet.

Es gilt als wahrscheinlich, dass der von Ministerpräsident Matteo Renzi vorgeschlagene Kandidat Sergio Mattarella die letzte Wahlrunde gewinnt. Dafür genügt eine einfache Mehrheit von 505 Stimmen. Renzi forderte die Wahlmänner und -frauen aus seiner Partei und darüber hinaus auf, für Mattarella zu stimmen, um "im Interesse Italiens die größtmögliche Übereinstimmung zu erzielen".

Bei den ersten drei Durchgängen am Donnerstag und Freitag hatte mehr als die Hälfte der Wahlmänner und -frauen jeweils leere Stimmzettel abgegeben. Hintergrund war, dass vorab ohnehin nicht erwartet worden war, dass ein Kandidat die in den ersten drei Runden erforderliche Zweidrittelmehrheit von 672 Stimmen auf sich vereinigt. Der Wahlversammlung gehören Abgeordnete, Senatoren und Vertreter der Regionen an.

Renzi hatte am Donnerstag den 73-jährigen Verfassungsrichter Mattarella als seinen Wunschkandidaten präsentiert. Seine PD verfügt in der Wahlversammlung über 415 Stimmen. Mit Mattarella könnte Renzi allerdings Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi verärgert haben, mit dem er sich zur Umsetzung großer Reformvorhaben wie der Wahlrechtsreform zusammengetan hatte. Schließlich war der frühere Minister Mattarella aus der Christdemokratischen Partei ausgetreten, weil diese seiner Ansicht nach Berlusconi zu nahe stand.

Ursprünglich hatte Berlusconi sich bereit erklärt, einen Kandidaten des Mitte-links-Lagers von Renzi mitzutragen. Nach der Nominierung von Mattarella sagte er nach Angaben aus seinem Umfeld aber, er fühle sich "verraten". Die Abstimmungsberechtigten von Berlusconis Forza Italia wurden aufgerufen, auch im vierten Wahlgang leere Stimmzettel abzugeben. Mehrere Parteien, darunter die linke Partei SEL und die Mitte-Rechts-Partei von Innenminister Angelino Alfano kündigten dagegen an, Mattarella zu wählen.

(AFP)
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