Machtkampf in Venezuela: Armee feuert auf Demonstranten an Grenze zu Kolumbien

Machtkampf in Venezuela spitzt sich zu : Sicherheitskräfte feuern auf Demonstranten an Grenze zu Kolumbien

Der Kampf um die Macht in Venezuela scheint in eine entscheidende Phase zu treten. Während es Zusammenstöße an der Grenze zu Kolumbien gibt, gelangen offenbar erste Hilfstransporte aus Brasilien ins Land. Und Maduro kappt alle Kanäle nach Kolumbien.

In der Auseinandersetzung um Hilfslieferungen aus dem Ausland hat es an Venezuelas Grenze schwere Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Gegnern von Staatschef Nicolás Maduro gegeben. Soldaten und Polizisten setzten am Samstag auf zwei Brücken zwischen der venezolanischen Stadt San Antonio del Táchira und dem kolumbianischen Nachbarort Cúcuta Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Dabei wurden mindestens sechs Menschen verletzt.

Die Demonstranten versuchten ebenso wie vier Lastwagen mit Hilfsgütern für die Venezolaner, die Absperrungen auf der Simón-Bolívar-Brücke und der Santander-Brücke zu durchbrechen. Die Lastwagen waren am Samstag aus Cúcuta mit tonnenweise Lebensmitteln und Medikamenten aufgebrochen.

Venezuelas umstrittener Staatschef Nicolás Maduro hat am Abend den Abbruch aller diplomatischer Beziehungen zu Kolumbien verkündet. Bei einer Kundgebung in der Hauptstadt Caracas kritisierte Maduro, die "faschistische Regierung von Kolumbien" habe die vom selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó initiierten ausländischen Hilfslieferungen nach Venezuela aktiv unterstützt. Deswegen müssten alle diplomatischen Vertreter des Nachbarlandes Venezuela binnen 24 Stunden verlassen, sagte Maduro.

Venezuelas inzwischen von mehr als 50 Ländern anerkannter Übergangspräsident Juan Guaidó hatte die Hilfslieferungen vorab für diesen Samstag angekündigt. Die meisten Hilfsgüter stehen in Cúcuta bereit. Andere Depots wurden in Brasilien und auf der Karibikinsel Curaçao eingerichtet.

Die Lebensmittel und Medikamente sollen von tausenden Freiwilligen an bedürftige Venezolaner verteilt werden. In dem südamerikanischen Land herrscht trotz seines Ölreichtums eine Wirtschaftskrise mit akuten Versorgungsengpässen. Nach Angaben von Guaidó gelangte am Samstag eine erste Hilfslieferung aus Brasilien nach Venezuela. "Das ist ein großer Erfolg, Venezuela!", schrieb der selbsternannte Interimspräsident im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Venezuelas umstrittener Staatschef Maduro lehnt die Hilfslieferungen strikt ab. Er prangert sie als Vorwand an, unter dem eine militärische US-Invasion vorbereitet werden solle. Am Freitag schloss seine Regierung große Teile der Grenze zu Kolumbien.

Zu Maduros wichtigsten Stützen zählt die Armee, doch sein Rückhalt bröckelt auch hier. Die kolumbianische Einwanderungsbehörde erklärte am Samstag, elf weitere venezolanische Soldaten sowie zwei Polizisten seien desertiert und über die Grenze nach Kolumbien geflohen. Die Sicherheitskräfte, zu denen auch ein Major zähle, sollten nun befragt werden, hieß es in der Mitteilung.

(felt/AFP/dpa)
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