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Fall Litvinenko: Sensationelle Enthüllungen angekündigt: Lugowoj weist Giftmord-Vorwurf zurück

Fall Litvinenko: Sensationelle Enthüllungen angekündigt : Lugowoj weist Giftmord-Vorwurf zurück

Moskau (RPO). Der Geschäftsmann Andrej Lugowoj hat den Vorwurf des Giftmords an dem russischen Ex-Spion Alexander Litvinenko von sich gewiesen und sensationelle Enthüllungen angekündigt. "Ich habe Livinenko nicht getötet. Ich habe nichts mit seinem Tod zu tun", sagte Lugowoj am Dienstag mehreren russischen Nachrichtenagenturen.

Die Vorwürfe der britischen Justiz gegen ihn seien "politisch" begründet. Zugleich kündigte der ehemalige KGB-Agent baldige Enthüllungen an, die "eine Sensation für die öffentliche Meinung in Großbritannien" sein würden und die Sicht des mysteriösen Todesfalls grundlegend verändern könnten.

Anklageerhebung angekündigt

Die britische Generalstaatsanwaltschaft hatte zuvor in London eine Anklageerhebung wegen Mordes gegen Lugowoj angekündigt, der dafür von Russland ausgeliefert werden müsste. Als Hauptverdächtiger in dem Fall galt bisher neben Lugowoj dessen Geschäftspartner Dimitri Kowtun.

Ein halbes Jahr nach dem Giftmord am Kreml-Kritiker Alexander Litvinenko in London hat die britische Justiz wegen der Tat Anklage gegen den russischen Geschäftsmann Andrej Lugowoi erhoben. Generalstaatsanwalt Ken Macdonald erklärte, es gebe genügend Beweise, um Lugowoi vor Gericht zu stellen. Moskau wurde aufgefordert, Lugowoi den britischen Behörden zu übergeben. Die russische Staatsanwaltschaft lehnte dies aber nach Berichten der Nachrichtenagentur Interfax ab.

Ein Sprecher des britischen Premierministers Tony Blair betonte, London erwarte die volle Kooperation der russischen Behörden. "Mord ist Mord. Dies ist ein sehr ernster Fall", sagte er. Außenministerin Margaret Beckett bestellte den russischen Botschafter ein.

Moskau schließt Auslieferung aus

In Moskau erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Marina Gridnewa, die Gesetze schlössen eine Auslieferung russischer Staatsbürger aus. Sie fügte aber hinzu, möglich sei ein Prozess in Russland, wenn die entsprechenden Unterlagen von London vorgelegt würden. Der Ansicht, dass eine Auslieferung grundsätzlich ausgeschlossen sei, widersprach der Vorsitzende des Verfassungsrechtsausschusses im Föderationsrats, Juri Scharandin. Russland könne einen Auslieferungsantrag aber ablehnen.

Litvinenko hatte sich am 1. November 2006 mit Lugowoj und Kowtun in einem Londoner Hotel getroffen und gemeinsam mit ihnen Tee getrunken. Drei Wochen später starb der 43-jährige Kreml-Kritiker an einer Polonium-210-Vergiftung.

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Auf dem Sterbebett machte Litvinenko den russischen Präsidenten Wladimir Putin verantwortlich. Die Regierung in Moskau hat dies scharf zurückgewiesen. Der im britischen Exil lebende Milliardär und Kreml-Kritikers Boris Beresowski äußerte die Überzeugung, dass die Vorwürfe gegen Lugowoi eine Spur in den Kreml wiesen. Litvinenkos Witwe Marina dankte den britischen Behörden für ihre Bemühungen zur Aufklärung des Falls.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronik der Affäre Litvinenko

(afp)