Libyen - Zahl der Opfer bei Kämpfen um Tripolis immer höher

Bürgerkrieg in Libyen : Zahl der Opfer bei Kämpfen um Tripolis immer höher

Wenige Kilometer außerhalb von Tripolis wird seit Tagen heftig gekämpft. Die internationale Gemeinschaft ist in großer Sorge, doch der UN-Sicherheitsrat zieht auch bei diesem Konflikt nicht an einem Strang.

Seit Beginn der Offensive des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar auf die libysche Hauptstadt Tripolis am 4. April sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens 189 Menschen getötet worden. Mehr als 800 Menschen wurden demnach verletzt. Nach Angaben der Internationalen Organisation ‎für Migration (IOM) wurden schätzungsweise 25 000 Menschen vertrieben, wie UN-Sprecher Stéphane Dujarric mitteilte.

Die Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, Fatou Bensouda, sagte, sie sei zutiefst besorgt über die Eskalation der Gewalt und rief Kommandeure beider Seiten auf, Kriegsverbrechen zu verhindern. Auch der UN-Sicherheitsrat befasst sich mit der Lage in Libyen.

Feldmarschall Chalifa Haftar, der mit seiner Libyschen Nationalen Armee den Osten Libyens kontrolliert, hatte am 6. April zum Marsch auf die Hauptstadt Tripolis aufgerufen, wo rivalisierende Milizen das Sagen haben. Dort sitzt auch die von den UN anerkannte Regierung Libyens. Haftars Presseabteilung erklärte am Dienstag, die Kämpfe konzentrierten sich auf die Straße zwischen Tripolis und dem 2014 großteils zerstörten Flughafen. Neben den Gefechten am Boden fliegen beide Seiten täglich Luftangriffe.

Bensouda ermittelt bereits wegen mutmaßlicher Verbrechen im Konflikt in Libyen, unter anderem wird einer von Haftars Kommandeuren wegen des Verdachts außergerichtlicher Exekutionen per Haftbefehl gesucht. Sie werde nicht zögern den aktuellen Konflikt in ihre Ermittlungen zu Libyen miteinzubeziehen, sagte sie am Dienstag.

Im UN-Sicherheitsrat zirkulierte am Dienstag ein britischer Entwurf für eine Resolution, in dem die Konfliktparteien aufgerufen werden, unter Vermittlung der UN eine Dialog einzugehen und auf eine politische Lösung hinzuarbeiten. Die Offensive bedrohe die Stabilität Libyens, heißt es darin weiter. Allerdings sind sich die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates nicht einig, wie sie auf Haftars Offensive reagieren sollen. In den vergangenen Jahren haben ihn unter anderem die Vetomächte Russland und Frankreich unterstützt. Die Briten hoffen, noch vor Freitag über den Text abzustimmen. Es sei jedoch unklar, ob die Verhandlungen so schnell abgeschlossen werden können.

In dem nordafrikanischen Land herrscht seit der Militärintervention der Nato und dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle.

(lhen/zim/dpa/AFP)
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