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Bundeswehr-Transall bringt 133 Menschen raus: Libyen: Westliche Länder evakuieren Ausländer

Bundeswehr-Transall bringt 133 Menschen raus : Libyen: Westliche Länder evakuieren Ausländer

Berlin/London (RPO). Angesichts der anhaltenden Unruhen im nordafrikanischen Libyen gehen die Evakuierungen von Ausländern langsam weiter. Insgesamt 133 ausländische Staatsangehörige sind am Samstag mit zwei deutschen Transall-Maschinen aus dem Süden Libyens ausgeflogen worden. Wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte, waren darunter auch Dutzende Deutsche und weitere EU-Bürger.

Die Flugzeuge seien um 20.30 Uhr sicher auf Kreta gelandet, sagte Außenamts-Staatsminister Werner Hoyer. Nach Schätzungen des Auswärtigen Amtes befinden sich derzeit noch rund 100 Deutsche in Libyen.

Nach einer gewagten Landung in der libyschen Wüste kamen am Samstagabend britische Militärflugzeuge mit Zivilisten an Bord sicher auf Malta an. Zwei britische Militärtransportmaschinen seien in den libyschen Luftraum eingedrungen, in der Wüste nahe der Stadt Bengasi gelandet und hätten über 150 Angehörige verschiedener Nationen ausgeflogen, sagte der britische Verteidigungsminister Liam Fox. Die britische Fregatte "HMS Cumberland" sei auf dem Weg zurück nach Bengasi, um dort verbliebene "berechtigte" Personen aufzunehmen.

Die britische Botschaft in Tripolis wurde unterdessen geschlossen. Das britische Außenministerium teilte mit, die gesamte Belegschaft habe Libyen am Samstag verlassen. Einzig Konsulin Lauren Johnstone bleibe in Tripolis. Vorübergehend würden die türkische Regierung die britischen Interessen in Libyen repräsentieren, hieß es.

Auch Kanada flog Angehörige seiner Botschaft in Tripolis sowie weitere Ausländer ohne Fluggenehmigung der libyschen Behörden aus. Auf diplomatischem Wege sei einfach keine Erlaubnis zu erhalten gewesen, sagte ein Sprecher des kanadischen Ministerpräsidenten Stephen Harper. Die Entscheidung für die Evakuierung sei auf der Grundlage der Empfehlung des kanadischen Botschafters gefallen.

Harper habe dann den Befehl gegeben, auch ohne Genehmigung zu landen, sagte der Sprecher. An Bord der Militärmaschine konnten 46 Personen Libyen verlassen, darunter der kanadische Botschafter und fünf seiner Mitarbeiter, 18 weitere Kanadier sowie 12 Briten und Mitarbeiter der österreichischen Botschaft. Die kanadische Botschaft in Tripolis hat damit ihre Arbeit eingestellt.

Schiffe erreichen Kreta und Malta

Über 2800 Chinesen kamen am Samstag an Bord eines griechischen Schiffs in Heraklion auf der Insel Kreta an. Weitere 2200 aus Libyen geflohene Chinesen erreichten die maltesische Hauptstadt Valletta. Stunden zuvor erreichte bereits eine von den USA gecharterte Fähre mit 300 Passagieren an Bord Malta, nachdem das Auslaufen in Tripolis durch schweres Wetter drei Tage lang verzögert worden war.

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Bis zum Samstag wurden mindestens 16.000 chinesische und 15.000 türkische Arbeiter sowie 1400 Italiener aus Libyen in Sicherheit gebracht, die meisten von ihnen Beschäftigte in der Bau- und Ölindustrie. Viele der Chinesen kamen mit Schiffen auf der griechischen Insel Kreta und in Malta an. Von dort sollten sie in ihre Heimat weiterfliegen.

Außerdem flüchteten nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon 22.000 Menschen über die Grenze nach Tunesien und 15.000 Menschen nach Ägypten. Es gebe zahlreiche Berichte, wonach die Flüchtlinge mit Gewehren und Messern bedroht worden seien, sagte Ban. Viele, die es über die Grenze schafften, hätten von schrecklichen Erlebnissen berichtet.

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(apd/jre)