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Lesbos: Migranten in Lager Kara Tepe gebracht - Nach Brand in Moria

Nach Brand in Moria : Viele Migranten sträuben sich gegen neues Lager auf Lesbos

Die Zelte sollen als Ersatz für das ausgebrannte Lager Moria dienen. Die Aktion verlief ohne größere Zwischenfälle, doch viele Migranten sträuben sich, dort einzuziehen. Auch Anwälte und Ärzte kritisieren die Zustände in Kara Tepe.

Die griechische Polizei hat auf der Insel Lesbos begonnen, die obdachlosen Migranten des abgebrannten Camps Moria in das neue Zeltlager Kara Tepe zu bringen. Das neue Lager liegt am Rand der Inselhauptstadt Mytilini und bietet Platz für etwa 8000 der rund 12.500 Menschen, die in Moria lebten. Viele Migranten zögerten, dort einzuziehen. Sie fürchten, im Lager auf unabsehbare Zeit festgehalten zu werden. Die meisten Menschen kampieren seit dem Brand auf Feldern, Straßen und Plätzen. Sie wollen aufs griechische Festland und in andere europäische Länder. Nach den Bestimmungen des EU-Flüchtlingspakts müssen Schutzsuchende aber so lange auf den griechischen Inseln bleiben, bis über ihre Asylanträge entschieden ist.

Die Polizeiaktion, für die zur Umsiedlung von Familien extra 70 Polizistinnen aus Athen und Thessaloniki nach Lesbos geflogen wurden, verlief ruhig und geordnet. Starke Einheiten der Bereitschaftspolizei hielten sich im Hintergrund bereit, aber die befürchteten Unruhen blieben aus. Migrationsminister Notis Mitarachi sagte, 5000 Migranten seien in das neue Lager gezogen. Corona-Schnelltests hätten ergeben, dass 135 ehemalige Bewohner von Moria infiziert seien. Diese befänden sich in speziellen Bereichen.

Die Regierung verspricht jenen Migranten, die das Lager beziehen, eine vorrangige Bearbeitung ihrer Asylanträge. Auf Lesbos sind etwa 11.000 Asylanträge anhängig. Fast 80 Prozent der Antragsteller sind Afghanen, acht Prozent Syrer. Die Asylverfahren, die sich früher oft über Jahre hinschleppten, sollen beschleunigt werden.

Chrysochoidis sagte, bis Weihnachten sollten etwa 6000 und bis Ostern 2021 die restlichen anhängigen Asylverfahren abgeschlossen werden. Damit könnten bis dahin alle noch wartenden Antrag­steller die Insel verlassen. Anwälte auf Lesbos kritisierten allerdings, dass sie keinen Zugang zu dem neuen Lager hätten und deshalb die Asylsuchenden nicht beraten könnten. Das Lager sei unzureichend ausgestattet, es gebe keine Duschen. Auch Ärzte ohne Grenzen berichtete von Behinderungen durch die Polizei.

Unterdessen erließ ein Richter auf Lesbos Haftbefehl gegen vier Afghanen. Die 19- und 20-Jährigen werden beschuldigt, die Brände gelegt zu haben, die das Lager Moria zerstörten. Der Staatsanwalt erhob Anklage wegen Brandstiftung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Zwei weitere mutmaßliche Brandstifter, ebenfalls junge Afghanen, wurden in Nordgriechenland gefasst. Sie sollen ebenfalls auf der Insel Lesbos vor Gericht gestellt werden.