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Leon Panetta attackiert seinen Ex-Chef Barack Obama

Memoiren des Ex-CIA-Direktors : Leon Panetta attackiert seinen Ex-Chef Obama

Im Kabinett Barack Obamas war Leon Panetta die personifizierte Loyalität, erst CIA-Direktor, später Pentagon-Chef. Bei seinem Ausscheiden erzählte er gelassen, dass er sich nun seinen Walnussbäumen widmen wolle. 20 Monate nach seinem Abschied hat er sich mit einem dröhnenden Paukenschlag zurückgemeldet.

Seine Memoiren werfen ein grelles Licht auf das Innenleben des Weißen Hauses, an dessen Spitze ein zaudernder Präsident stehe. Obama besitze eine überragende Intelligenz, doziert der 76-Jährige im Tonfall eines gütigen Mentors. "Aber manchmal fehlt ihm das Feuer", zu oft baue er auf die Logik eines Rechtsprofessors anstatt auf Leidenschaft. Die Anfeindungen, viel extremer als bei seinen Vorgängern, hätten Obamas Vorsicht nur noch verstärkt, was die Attacken verschlimmert habe. Amerikanische Präsidenten seien aber immer dann erfolgreich gewesen, wenn sie andere voller Kampfgeist überzeugen wollten.

Vor allem die Entscheidungen im Nahen Osten haben Panetta zutiefst frustriert. Im Irak, schreibt er, hätte Obama härter verhandeln müssen, dann wäre auch nach dem Rückzug 2011 ein Restkontingent von GIs dort verblieben. Das Weiße Haus aber wollte den Irak nur noch "loswerden". Mit Blick auf Syrien beging der Präsident nach den Worten Panettas einen schweren Fehler, als er nach einem Chemiewaffenangriff eine Militäraktion gegen die Regierung Baschar al Assads ankündigte, um kurz darauf zur Wende zu blasen. "Das Resultat war ein Schlag gegen unsere Glaubwürdigkeit. Wenn der Commander-in-Chief eine rote Linie zieht, muss er handeln, wenn diese Linie überschritten wird."

Alles in allem liest sich das Buch wie eine Steilvorlage für eine Kandidatin Hillary Clinton, die 2016, falls sie denn an den Start des Rennens ums Weiße Haus geht, die Renaissance amerikanischer Führungsstärke beschwören dürfte. Panetta gilt als ihr Vertrauter.

(RP)