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Haftstrafe für Punkband: Lech Walesa kritisiert Pussy Riot-Urteil

Haftstrafe für Punkband : Lech Walesa kritisiert Pussy Riot-Urteil

Die Verurteilung der Punkband "Pussy Riot" in Russland sorgt weiter für Wirbel. Während Russlands Präsident Wladimir Putin die Haftstrafe verteidigt, reißt die Kritik aus dem Ausland nicht ab. Der frühere polnische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa bittet um Gnade für die drei Musikerinnen.

Der frühere polnische Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Lech Walesa hat Putin um Gnade für die drei Verurteilten gebeten. "Zensur und das Verbot der Meinungsäußerung waren eine der Grundlagen der Struktur in unseren totalitären Staaten", schrieb Walesa in Erinnerung an die kommunistische Vergangenheit Polens und Russlands. Das Schreiben wurde am Freitag der russischen Botschaft in Warschau zugestellt, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP.

In einem am Freitag auf der Webseite seiner Stiftung veröffentlichte Appell hieß es weiter: "Ich bitte Sie außerdem, eine Änderung der Gesetzeslage zu bedenken, um Haftstrafen für verbale Beleidigungen zurückzunehmen."

Der tiefgläubige Friedensnobelpreisträger Walesa distanzierte sich allerdings klar von der Ausdrucksweise der Bandmitglieder. Die Musikerinnen hatten im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein "Punk-Gebet" gegen Putin aufgeführt.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Verurteilung der Musikerinnen der Punkband Pussy Riot mit der Pflicht des Staates verteidigt, "die Gefühle der Gläubigen zu schützen". Dies sei umso wichtiger, als die russische Orthodoxe Kirche zu Sowjetzeiten unterdrückt worden sei, sagte Putin in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview mit dem TV-Sender Russia Today. Das Land habe "sehr schlimme Erinnerungen" an diese Zeit. Kirchen seien zerstört worden und Gläubige hätten gelitten.

Das Urteil gegen die drei Musikerinnen bezeichnete Putin als "gerechtfertigt und angemessen", darüber hinaus wolle er aber nichts dazu sagen und sich auch nicht in den Fall einmischen. "Ich versuche, nichts mit dem Fall zu tun zu haben." Die Frauen waren Mitte August nach einer Protestaktion gegen Putin in einer Moskauer Kathedrale wegen "Rowdytums" und "Anstiftung zu religiösem Hass" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Zwei weitere Musikerinnen der Band setzten sich darauf ins Ausland ab. Der Prozess und das Urteil hatten international für Empörung gesorgt.

Ein russisches Gericht lehnte am Freitag derweil die Zivilklage einer sibirischen Gläubigen gegen die Musikerinnen ab. Obwohl sie bei dem "Punk-Gebet" in der Kathedrale nicht anwesend war, machte die orthodoxe Frau einen ihr zugefügten moralischen Schaden durch die Kirchenschändung geltend und forderte 30.000 Rubel (rund 740 Euro) Schadensersatz. Am 20. September beginnen vor demselben Gericht zwei weitere Zivilprozesse gegen Pussy Riot.

(AFP, dpa)