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Lampedusa: Bootsmigranten harren in Camp aus - Italien fordert mehr Solidarität

Italien fordert Solidarität : Geflüchtete harren in überfülltem Camp auf Lampedusa aus

Rund 1500 Bootsmigranten harrten am Mittwoch in einem Camp auf der italienischen Insel aus, ein Teil von ihnen musste im Freien übernachten. Italien fordert mehr Solidarität von den EU-Staaten – Außenminister Heiko Maas hat Hilfe zugesagt.

Etwa 1500 Bootsmigranten haben am Mittwoch in einem überfüllten Camp auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ausgeharrt. Das Auffanglager ist nach italienischen Medienberichten nur für wenige hundert Bewohner ausgelegt. Sie gehörten großteils zu den über 2000 Männern, Frauen und Kindern, die seit dem Wochenende von der afrikanischen Küste nach Lampedusa gekommen waren. Ein Teil der Geflüchteten musste im Freien übernachten, hieß es.

Die Behörden planen eine Verlegung unter anderem auf Quarantäne-Schiffe. Doch starker Wind auf der Insel vor Tunesien, die offiziell zu Sizilien gehört, habe weitere Fortschritte verhindert, berichtete das Fernsehen am Mittwoch. Wegen der rauen See habe auch die Zahl der Boote abgenommen, die etwa aus Libyen einträfen.

Die Regierung in Rom ist bemüht, von anderen EU-Staaten eine Zusage für die Übernahme von Bootsmigranten zu bekommen. Italiens Außenminister Luigi di Maio hat mehr Solidarität der EU-Partner in der Flüchtlingskrise gefordert. „Italien braucht Hilfe“, sagte Di Maio nach einem Gespräch mit seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas am Mittwoch in Rom. Die italienische Regierung poche auf einen Verteilungsschlüssel in der EU.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat Italien die Aufnahme von Flüchtlingen in Aussicht gestellt, die nun wieder verstärkt aus Afrika über das Mittelmeer kommen. „Italien darf hier mit dieser Frage nicht alleine gelassen werden“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch nach dem Gespräch mit Di Maio. „Deutschland hat sich in der Vergangenheit bereits an der Verteilung von Schutzsuchenden beteiligt, und wir werden das auch zukünftig so machen.“ Wer sage, Italien dürfe nicht alleine gelassen werden, müsse daraus auch die Konsequenzen ziehen. Das müsse aber auch für andere EU-Mitgliedstaaten gelten.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Wir haben in dieser historischen Notlage als EU solidarisch gehandelt. Jedem in Europa muss klar sein, dass es uns nur gut geht, wenn es uns allen gut geht. Es muss für uns alle sehr schnell aus der Krise herausgehen. <a href="https://t.co/AWrUtZNkHI">pic.twitter.com/AWrUtZNkHI</a></p>&mdash; Heiko Maas 🇪🇺 (@HeikoMaas) <a href="https://twitter.com/HeikoMaas/status/1392506968879869952?ref_src=twsrc%5Etfw">May 12, 2021</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Bis zum Mittwochnachmittag hatte sich nach Angaben der EU-Kommission jedoch kein anderes Land dazu bereit erklärt. Es gebe keine Neuigkeiten, hieß es auf Anfrage aus der Behörde. EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hatte am Montag dazu aufgerufen, Italien zu helfen.

In Italien hat sich die Zahl der Migranten, die bis zum 12. Mai übers Mittelmeer kamen, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht. Bis Mittwoch wurden über 13 000 Menschen registriert. Ankömmlinge müssen zunächst stets in eine Corona-Quarantäne. Besonders viele kamen aus Tunesien, Bangladesch und der Elfenbeinküste. Die Werte 2021 liegen in Italien jedoch noch weit unter denen aus der Flüchtlingskrise vor einigen Jahren.

(bora/dpa/reuters)