Kroatien: Kolinda Grabar-Kitarovic vor Ivo Josipovic bei Wahl

Machtwechsel in Kroatien: Grabar-Kitarovic gewinnt Präsidentschaftswahl gegen Josipovic

Historischer Machtwechsel in Kroatien: Die frühere Außenministerin Kolinda Grabar-Kitarovic wird die erste Präsidentin des Landes. Denkbar knapp landete die Konservative bei der Stichwahl am Sonntag mit 50,4 Prozent der Stimmen vor ihrem Herausforderer, Amtsinhaber Ivo Josipovic, der auf 49,6 Prozent kam.

Das teilte die zentrale Wahlkommission nach der Auszählung von mehr als 99 Prozent der Stimmen mit. Josipovic gestand seine Niederlage ein. "Kolinda Grabar-Kitarovic hat einen demokratischen Kampf gewonnen und ich gratuliere ihr", sagte Josipovic. Er hatte im ersten Wahlgang noch einen Prozentpunkt vor der Kandidatin der konservativen Partei HDZ gelegen. Josipovic ist seit 2010 Präsident Kroatiens und gehört den regierenden Sozialdemokraten (SDP) an.

Die 46-jährige Grabar-Kitarovic trat mit ihrem Mann an ihrer Seite vor ihre Anhänger, die immer wieder ihren Namen riefen. "Ich verspreche euch, dass Kroatien ein wohlhabendes und reiches Land sein wird", sagte sie, "eines der reichsten Länder der EU und der Welt". Kroatien war 2013 in die EU eingetreten und ist damit das jüngste Land in der Union.

Der Präsident in Kroatien hat weitgehend repräsentative Aufgaben. Die Wahl galt aber als Stimmungstest für die Parlamentswahlen, die Ende dieses Jahres stattfinden. Dabei wird damit gerechnet, dass Grabar-Kitarovics HDZ deutlich zulegen kann.

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Josipovic war zu seiner ersten Amtszeit vor allem mit dem Versprechen angetreten, die Korruption zu bekämpfen. Tatsächlich wurden in den zurückliegenden Jahren ein Ministerpräsident und mehrere Minister wegen Korruption verurteilt. Zudem machte er sein Versprechen wahr, den Balkanstaat in die Europäische Union zu führen.

Das Land steckt indes praktisch seit 2008 in der Rezession. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote bei rund 20 Prozent, bei den jungen Erwachsenen ist sogar jeder Zweite ohne Job. Nun ist der Präsident in Kroatien zwar für die Wirtschaftspolitik nicht zuständig, die Wähler des Landes dürften Josipovic aber trotzdem auch für den Kurs der Regierung abgestraft haben.

Grabar-Kitarovic hatte schon mehrere bedeutende Ämter inne. Die ehemalige kroatische Botschafterin in Washington wurde 2011 zur stellvertretenden Generalsekretärin der Nato berufen. Im Wahlkampf warf sie Josipovic vor, er sei mit dem Versuch gescheitert, die Regierung zu Reformen zu ermuntern.

(AFP)
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