Rechtsextreme der "Géneration Identitaire": "Kriegserklärung" von Europas wütender Jugend

Rechtsextreme der "Géneration Identitaire" : "Kriegserklärung" von Europas wütender Jugend

Sie sind jung, wütend und auf dem Vormarsch: Seit einigen Monaten machen sich in Europa junge, radikale Aktivisten der "Génération Identitaire" breit. Ihren Ursprung erlebte die Gruppierung in Frankreich, doch mittlerweile gibt es auch in Deutschland 39 Regionalverbände. Sie verbreiten nationalistisches Gedankengut und anti-islamische Parolen.

Am Sonntag gingen 300.000 Menschen in Paris auf die Straße. Sie protestierten gegen die Homo-Ehe, die im Senat beschlossen werden soll. Unter den Demonstranten mischten sich auch radikale Aktivisten der "Génération Identitaire". Sie marschierten mit in vorderster Front und traten lautstark ein für die Bewahrung der Familienwerte.

Offenbar blieb es jedoch nicht bei der friedvollen Meinungsäußerung auf der Straße. Mehrfach sollen die "GI"-Mitglieder die Auseinandersetzung mit der Polizei gesucht haben. Frankreichs Innenminister Manuel Valls nannte diese neue Gruppierung zwar nicht beim Namen, doch hatte er rechtsextreme Demonstranten für die Ausschreitungen verantwortlich gemacht.

Wer war damit gemeint? Videos auf der Internet-Plattform Youtube zeigen Aktivisten mit "GI"-Fahnen im Konfrontationsmodus mit den Einsatzkräften. Einige Gruppen hätten am Sonntag "versucht, die Absperrungen zu durchbrechen", die die Polizei errichtet hatte, sagte Valls am Montag im Sender RTL.

Die Anonymität im Internet

Auf der Facebook-Seite sind Fotos und Videos der Aufmärsche vom Wochenende eingestellt worden. Sie zeigen die Mitglieder an "vorderster Front", wie es heißt. Die "GI" kämpft in der Tat an vorderster Front. Doch es sind nicht die Werte wie das Eintreten für Familie, Gesellschaft und Gemeinschaft, wie es den Anschein hat.

Sie hassen den Islam, und sie hassen Einwanderer. Ihr nationalistisch-geprägtes Denken verpacken sie geschickt hinter der Drohkulisse "Fremd im eigenen Land" und wollen diese Botschaft mit spektakulären Aktionen, auf Großveranstaltungen oder im Internet verbreiten. Das gepflegte Äußere und das großbürgerliche Auftreten der jungen Menschen lassen eine radikale Gesinnung zunächst nicht vermuten. Genau diesen Zwiespalt machen sie sich zu nutzen.

Sie vertreten die "ethnokulturelle Identität". Laut Extremismus-Experte Alexander Häusler wollen sie sich nicht als Rassisten wahrgenommen werden. Vielmehr sollen Ethnien in einem "Europa der Völker" voneinander getrennt werden.

Nicht wenige Sympathisanten der "GI" bringen in der Anonymität des Internets ihre nationalistisch-rechte Gesinnung, vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook, unverblümt zum Ausdruck. Immer wieder ist von Widerstand zu lesen. Und in Anlehnung an den Arabischen Frühling, den teils gewaltsamen Aufstand der Bevölkerung in den arabischen Ländern gegen die Regierungen, propagieren sie Vergleichbares in Frankreich.

Gewalt — Aufstand — Revolution: Der Dreiklang der "GI"-Aktivisten wird erst beim abermaligen Durchlesen deutlich. Das griechische Lambda ist ihr Symbol. Das Ziel ihres mitunter gewaltsamen Protests haben sie längst ausgemacht: der "Idioten"-Staat, den Islam, die Anti-Christen, die in das Vakuum der Identitätslosigkeit eines starren, französischen Staats und einer zunehmend globalisierten Gesellschaft drängen. Dies gilt es ihrer Meinung nach zu verhindern.

Kampf gegen den Islam

Auf der Internetseite berufen sich die "Identitären" auf ihren Ursprung, den es zu wahren und verteidigen gilt gegenüber allem, was von außen eindringen möchte. Teil dieser Strömung zu sein, bedeutet nicht, einem Dogma oder einer Ideologie zu folgen. Es ist ein Prinzip, das auf der Realität basiert. Im Herbst des vergangenen Jahres haben sie sich gegründet und ihr Gedankengut in einem Manifest bei youtube hochgeladen und eine "Kriegserklärung" verkündet.

In einem rund zweieinhalb-minütigen Video lassen junge Franzosen ihrem Zorn freien Lauf: "Wir sind die Generation der ethnischen Spaltung, des totalen Scheiterns des Zusammenlebens und der erzwungenen Mischung der Rassen", heißt es da. "Unser Erbe ist unser Land, unser Blut, unsere Identität … Ihr seid von gestern, wir sind von morgen! Wir sind die Generation Identitär."

Die "GI" kämpft vor allem gegen den Islam. So besetzten rund 60 Aktivisten bei einer spektakulären Aktion am 20. Oktober 2012 eine Moschee in Poitiers. Mit dieser Aktion wollten sie gegen die "Islamisierung" der französischen Gesellschaft protestieren. Mehr als sechs Stunden harrten sie auf dem Dach des Gotteshauses aus. Sie zeigten Banner und stimmen Sprechchöre an.

Die Wahl der Moschee von Poitiers ist kein Zufall: Charles Martel besiegte in Poitiers im Jahr 732 das Heer der muslimischen Invasoren. Mit diesem Bezug will die Generation Identitaire "an der Frontlinie des Kampfes um die eigene Identität” stehen. Sie fordert unter anderem frankreichweite Referenden über Moscheeneubauten und die Einwanderung.

Experte: Offenbar keine zentrale Steuerung

"Allen Augenscheins nach gibt es keine zentrale Steuerung für diese Bewegung", sagt Häusler swr.de. Und dennoch: "Sie verstehen sich als Verteidiger des freien Europas", sagt Häusler. Die Strömung breitet sich aus. In Deutschland haben sich bereits 39 Regionalverbände gegründet. Ob in Düsseldorf, Bremen und Fulda — die "Identitären" wollen ihr nationalistisches Gedankengut unter die Bevölkerung mischen.

Auf der Internetseite des deutschen Ablegers kommt dies offen zum Ausdruck. "Uns Identitären geht es um den Erhalt unserer ethnokulturellen Identität, die heute durch den demographischen Kollaps, die Massenzuwanderung und die Islamisierung bedroht ist."

Und weiter steht dort geschrieben: "Das Ziel der identitären Bewegung ist die totale Umwälzung und Auslüftung dieser stickigen, giftigen Atmosphäre. Wir wollen eine kulturell-geistige Revolution, die Werte wie Tradition, Heimat, Familie, Kultur, Volk, Staat, Ordnung, Schönheit (…) wieder zu positiven, erstrebenswerten Begriffen (…) macht. Wir, die junge Generation Europas, wurden niemals gefragt, ob wir diese multikulturelle Gesellschaft, ob wir Massenzuwanderung und Islamisierung als Zukunft für unsere Länder wollen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Europas Populisten

(AFP/nbe/das/rl)
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