Nach monatelangen Angriffen Ukrainische Truppen ziehen sich aus Soledar zurück

Kiew · Mit der Eroberung der ukrainischen Kleinstadt im Osten rücken die russischen Soldaten näher an Bachmut. Der Kreml kritisiert die Panzerlieferungen des Westens an die Ukraine.

 Nach Beschuss Soledars steigt Rauch über der Stadt auf. Ukrainische Truppen ziehen sich aus Soledar zurück. (Archiv)

Nach Beschuss Soledars steigt Rauch über der Stadt auf. Ukrainische Truppen ziehen sich aus Soledar zurück. (Archiv)

Foto: dpa/Libkos

Die ukrainischen Truppen haben sich nach monatelangen russischen Angriffen aus der Kleinstadt Soledar in der Region Donbass im Osten zurückgezogen. Damit sollten Leben von Militärangehörigen gerettet werden, sagte ein Sprecher der ukrainischen Streitkräfte, Serhij Tscherewatyj, der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch, 25. Januar. Nach dem Rückzug seien im Voraus vorbereitete Verteidigungsposten eingenommen worden. Russland hatte bereits vor knapp zwei Wochen behauptet, dass es Soledar erobert habe.

Damit hat Russland bei seinem Krieg in der Ukraine einen Erfolg erzielt. Die russische Regierung hat erklärt, dass die Schlacht um Soledar nahe der Stadt Bachmut wichtig sei, um den gesamten Donbass einzunehmen. Militäranalysten sagten, dass eine Eroberung von Soledar eher symbolischen als strategischen Wert habe. Die russischen Soldaten rücken jetzt näher an Bachmut heran.

Der Gouverneur von Donezk, Pawlo Kyrylenko, sagte im Staatsfernsehen, die Russen hielten ihre Kampfhandlungen im Donbass aufrecht. Sie hinterließen bei ihrem Vormarsch „eine verbrannte Wüste“.

Die russische Regierung kritisierte unterdessen die angekündigte Lieferung westlicher Kampfpanzer an die Ukraine. Dass der Ukraine Leopard-Panzer gegeben würden, sei ein desaströser Plan, Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Mittwoch, die Idee sei absurd. Das Potenzial der Panzer in den Händen der ukrainischen Streitkräfte werde überschätzt. „Es handelt sich um einen weiteren Trugschluss, einen ziemlich tiefgreifenden.“

„Diese Panzer werden genauso niederbrennen wie all die anderen“, sagte Peskow. „Nur dass sie viel kosten werden, und das wird auf den Schultern der europäischen Steuerzahler lasten.“ Deutschland hatte sich zuvor nach langem Zögern bereit erklärt, zunächst 14 Leopard-2-Kampfpanzer in die Ukraine zu liefern. Auch andere Länder dürfen das Modell an die ukrainischen Streitkräfte abgeben. Aus US-Kreisen verlautete zudem, die amerikanische Regierung wolle Kampfpanzer vom Typ M1 Abrams in die Ukraine schicken.

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, dessen Land den Aufruf an die Verbündeten zur Entsendung von Panzern in die Ukraine anführte, dankte Bundeskanzler Olaf Scholz. „Die Entscheidung, Leoparden in die Ukraine zu schicken, ist ein großer Schritt, um Russland zu stoppen“, schrieb der Regierungschef bei Twitter. „Gemeinsam sind wir stärker.“

Russische Truppen haben nach Angaben des ukrainischen Generalstabs vom Mittwoch in einem 24-stündigen Zeitraum zahlreiche Raketen- und Luftangriffe gestartet. Die Russen seien vor allem darauf aus, die Kontrolle über die ukrainische Region Donezk zu übernehmen, sagte ein Sprecher des Generalstabs, Oleksandr Schtupun. Es gebe Offensiven in der Gegend der Städte Bachmut, Lyman und Awdijwka, sowie des Dorfs Nowopawliwka.

Neben Donezk gab es russische Angriffe auf die Gegenden Charkiw und Sumy im Nordosten, Tschernihiw im Norden, Luhansk im Osten, Saporischschja im Südosten und Cherson im Süden. Beim russischen Beschuss eines Lebensmittelgeschäfts in der Stadt Beryslaw in der Region Cherson seien am Mittwoch zwei Menschen getötet worden, teilte die Regionalregierung mit. Drei weitere seien verletzt worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde am Mittwoch inmitten des Kriegs 45 Jahre alt. Seine Frau Olena Selenska schrieb in einem Tweet, zwar sei ihr Mann noch immer derjenige, den sie mit 17 kennen gelernt habe. Doch „etwas hat sich verändert: Du lächelst jetzt viel weniger“, schrieb sie. „Ich wünsche dir, dass du mehr Gründe hast, um zu lächeln. Und du weißt, was es dazu braucht. Das wissen wir alle.“

(akir/dpa)
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