Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine Ein starkes Signal von Macron – aber ein Tabubruch

Meinung | Paris · Der französische Präsident Emmanuel Macron schließt nicht aus, Bodentruppen in die Ukraine zu schicken. Bundeskanzler Scholz hingegen erteilt der Taurus-Lieferung eine Absage. Das zeigt die deutsch-französische Uneinigkeit.

 Emmanuel Macron (M), Präsident von Frankreich, Bundeskanzler Olaf Scholz (r, SPD) und Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine (Archiv).

Emmanuel Macron (M), Präsident von Frankreich, Bundeskanzler Olaf Scholz (r, SPD) und Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine (Archiv).

Foto: dpa/Julien Mattia

Emmanuel Macron ist für die große Geste bekannt. Doch was er am Montagabend zum Ende des Ukraine-Unterstützertreffens in Paris sagte, kommt einem Tabubruch gleich. Der französische Präsident schloss den Einsatz von Bodentruppen nicht aus, um der Ukraine im Krieg gegen Russland zu helfen. Das Risiko einer Eskalation des Konflikts mit Moskau nimmt er damit in Kauf. Im Gegensatz zu Bundeskanzler Olaf Scholz, dem Bedenkenträger aus Berlin, wirkt Macron wie der kühne Retter Kiews. Während Scholz der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern erneut eine Absage erteilte, kündigte Macron eine Koalition für Marschflugkörper und Bomben mittlerer und langer Reichweite an. Deutlicher konnte er die deutsch-französische Uneinigkeit nicht zur Schau stellen.

Die vollmundigen Ankündigungen des Präsidenten müssen allerdings kritisch hinterfragt werden. Frankreich liegt nämlich bei der Militärhilfe für Kiew nur auf dem 16. Platz, während Deutschland das führende europäische Land ist. Und bei den von der Ukraine so sehr erhofften Mirage-2000-Kampfflugzeugen zögert Macron weiter. Was eine mögliche Entsendung von Bodentruppen angeht, ist aus französischen Regierungskreisen eher von Ausbildern als von Soldaten die Rede. Die französische Armee ist ohnehin nicht in der Lage, in einem hoch intensiven Krieg einen Frontabschnitt von mehr als 80 Kilometern zu verteidigen. Und die Rüstungsindustrie ist der Aufforderung des Präsidenten bisher nicht gefolgt, endlich auf „Kriegswirtschaft“ umzuschalten.

Dennoch sendet Macron zwei Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine ein starkes Signal an Wladimir Putin aus. Die Europäer werden sich gegen Russland wehren – notfalls auch mit Bodentruppen.

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