SPD-Chef Klingbeil gegen Nato-Aufnahme der Ukraine während des Krieges

Berlin · Ähnlich wie der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen äußert sich der SPD-Chef: Ein Nato-Beitritt der Ukraine vor dem Ende des russischen Angriffskriegs kommt für Lars Klingbeil nicht in Frage.

Lars Klingbeil, Vorsitzender der SPD (Archivbild).

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„Die Nato kann die Ukraine nicht aufnehmen, solange sie im Krieg ist, sonst wären Deutschland und die anderen Bündnisstaaten sofort Kriegspartei“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Vom Gipfel der 31 Mitgliedstaaten im litauischen Vilnius an diesem Dienstag und Mittwoch werde aber dennoch ein klares Signal der engen militärischen Kooperation mit der Ukraine ausgehen, sagte er.

Es gehe unter anderem darum, die Ausbildung ukrainischer Soldaten zu stärken und schon jetzt die Ukraine an Nato-Standards heranzuführen. Und zur Frage weiterer Waffenlieferungen an die Ukraine versicherte Klingbeil: „Was wir wirklich abgeben können, wird geliefert.“

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Ähnlich äußerte sich der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen. „Die Ukraine in der jetzigen Phase des Konflikts aufzunehmen, scheidet aus. Das würde das Bündnis direkt in den Krieg hineinziehen, weil dann nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrages die Beistandsverpflichtung fällig wäre“, sagte er unserer Redaktion. Allerdings solle der Nato-Gipfel das Signal aussenden, „dass die Ukraine zur Nato-Familie gehört“.

Auch der frühere deutsche UN-Botschafter plädierte dafür, die Ukraine militärisch maximal zu unterstützen. „Wir müssen der Ukraine alle militärischen Mittel zur Verfügung stellen, die das Land braucht, um sich zu verteidigen, sonst hört die Ukraine auf zu existieren.“

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Die Ukraine erwartet von dem Gipfel in Litauen „eine klare und deutliche Einladung und Wegweisung zum Nato-Beitritt“, wie der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, der Deutschen Presse-Agentur am Wochenende sagte.

Nach Absatz 6 der maßgeblichen „Studie über die Nato-Erweiterung“ müssen Staaten etwaige Territorialstreitigkeiten zunächst friedlich beilegen. „Die Lösung solcher Streitigkeiten wäre ein Faktor bei der Entscheidung darüber, ob ein Staat zum Beitritt zum Bündnis eingeladen werden soll“, heißt es. Aus Sicht der Ukraine ist der Verteidigungskrieg auf ihrem eigenen Territorium rein rechtlich gesehen noch kein Hindernis für einen Nato-Beitritt. Der fragliche Absatz 6 schließe dies nicht eindeutig aus.

(felt/dpa)
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