Ein Jahr Krieg in der Ukraine Der Morgen, als der Krieg begann

Berlin · Es ist vor fünf Uhr am Morgen des 24. Februar 2022, als die ersten Explosionen Kiew erschüttern. Putin hat seinen Angriff gegen die Ukraine gestartet. Seitdem herrscht Krieg in Europa. So erlebten Politiker den Morgen.

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Zwei Jahre Krieg in der Ukraine

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Foto: dpa/Emilio Morenatti

Russlands Präsident Wladimir Putin befiehlt am frühen Morgen des 24. Februars 2022 den Einmarsch in die Ukraine. Er spricht von einem „militärischen Sondereinsatz“ mit dem Ziel, das Nachbarland zu entwaffnen und von „Nazis“ zu befreien. Die Ost-Erweiterung der Nato müsse unterbunden werden. Die russischen Truppen greifen von Norden, Osten und Süden an. Die Regierung in Kiew erklärt, Putin wolle die Ukraine erobern und ihre tausendjährige Identität auslöschen.

Innerhalb weniger Stunden nach Beginn der Invasion landen russische Truppen auf dem Flugplatz Antonow nördlich von Kiew. Ziel ist die rasche Einnahme der ukrainischen Hauptstadt. Doch binnen eines Tages gelingt es den ukrainischen Truppen, die russischen Elite-Fallschirmjäger auszuschalten und die Landebahn zu zerstören. In langen Kolonnen rücken russische Panzer auf Kiew vor und erreichen den nördlichen Stadtrand. Die ukrainischen Soldaten leisten erbitterten Widerstand. Der Vormarsch der russischen Truppen bleibt stecken, sie ziehen Anfang April wieder ab.

"Ukrainer berichten über ihre Erlebnisse aus dem Krieg" - Fotos
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Stimmen aus dem Krieg - Ukrainer berichten über ihre Erlebnisse

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Foto: dpa/Jana Cavojska

Der Krieg wird aber weitergehen, hauptsächlich in anderen Regionen der Ukraine. In Butcha, Mariupol, Luhansk, Cherson und ungezählten anderen Orten. Ihre Namen stehen für Tod und Leid. Mittlerweile dauern die Kämpfe zwölf Monate.

“In einer anderen Welt aufgewacht“

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) ist am Morgen des 24. Februar 2022 die Erste aus der Bundesregierung, die für das Unfassbare Worte findet. „Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht“, sagt sie nach einer ersten Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt vor den Kameras. Baerbock sagt, sie könne sich noch genau an den Morgen erinnern: „Es dauerte einen Moment, bis ich das Vibrieren des Telefons als echt eingeordnet hatte. Um 4.51 Uhr wurden erste Explosionen in Kiew gemeldet. Um 4.59 Uhr war meine Büroleiterin am Telefon. Ich sagte: bitte nicht“, erzählt Baerbock in der Dokumentation des „Stern“. Dass der Krieg beginnen könne, sei immer klar gewesen. „Aber wenn es passiert, stockt einem trotzdem erstmal der Atem.“.

Erste Prognose: Der Krieg dauert nur wenige Tage

Kanzler Olaf Scholz (SPD) erfährt davon gegen 5.00 Uhr, als ihn das Lagezentrum weckt. „Es ist ein furchtbarer Tag für die Ukraine und ein düsterer Tag für Europa“, sagt er später. An diesem 24. Februar geht man in der Bundesregierung noch davon aus, dass der Krieg nur wenige Tage dauern wird. Es wird erwartet, dass die Ukraine von russischen Panzern regelrecht überrollt wird. Auf die Frage nach möglichen Waffenlieferungen bekommt man an diesem Tag Antworten wie: Noch bevor sie auf den Weg gebracht würden, stünden die Russen in Kiew.

Diese Einschätzung hat aber nur eine Haltbarkeit von wenigen Stunden. Schnell wird klar, dass die Ukrainer bereit und in der Lage sind, sich zu wehren. Am 26. Februar entscheidet sich die Bundesregierung für den Tabubruch: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik werden deutsche Waffen in einen Krieg gegen eine Atommacht geschickt.

Minister Habeck wurde vorab informiert

Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck ist schon am Vorabend des russischen Überfalls auf die Ukraine von der US-Botschaft in Berlin über die unmittelbar bevorstehende Invasion informiert worden. Am frühen Abend habe er im Ministerium Besuch aus der US-Botschaft bekommen, sagte der Grünen-Politiker dem „Stern“.

„Ich bekam ein Dossier, aus dem hervorging: Heute Nacht wird es passieren. Die Blutkonserven werden aufgetaut, die Raketenwerfer beladen, die Fahrzeuge sind markiert, und die Truppen bewegen sich eindeutig auf die Grenze zu. Es war klar: Der Krieg steht bevor, er wird bittere Realität.“

(top/Reuters/dpa)
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