Russlands Krieg in der Ukraine Menschen sind für Putin nur Material

Meinung | Warschau · Viele wünschen sich im Ukraine-Krieg mehr Diplomatie und Deeskalation von westlicher Seite. Doch die Waffen nun niederzulegen, hieße den Mörder gewähren lassen. Putin wird am Ende nur eine Sprache verstehen.

Wladimir Putin - Präsident von Russland, eitel, autoritär, entschlossen
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Das ist Wladimir Putin - eitel, autoritär, entschlossen

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Foto: dpa/Kremlin Pool

Seit einem Jahr tobt nun der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Höchste Zeit, in den aufgeheizten Debatten um Panzerlieferungen und Atomwaffendrohungen einmal innezuhalten und an die Opfer zu erinnern. An Zehntausende tote Soldaten auf beiden Seiten, an Verstümmelte und Vergewaltigte, an gefolterte und ermordete Zivilisten, an Verschleppte, Vertriebene und Geflüchtete. An das Leid vor allem der Menschen in der Ukraine, die mit der permanenten Angst vor Raketeneinschlägen leben müssen.

Ist es das wirklich wert? Diese Frage stellen zumeist jene, die sich mehr Diplomatie und Deeskalation von westlicher Seite wünschen. Die auf Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin setzen und mehr Vernunft anmahnen statt kriegerischer Emotionen. Diese Haltung ist nicht nur legitim. Sie zeugt auch von einer tief empfundenen Humanität, die zu bewahren in Kriegszeiten extrem wichtig ist.

Allerdings muss sich die Frage zuallererst an Putin richten: War der Angriffsbefehl vom 24. Februar 2022 all das Leid wert, das der Krieg über die Menschen gebracht hat? Die Antwort ist offensichtlich: Selbstverständlich nicht. Fragt man weiter, wie es dann sein konnte, dass der Kremlherrscher den Krieg dennoch befahl, wird schnell klar, dass Putin nicht einmal ansatzweise in Kategorien von menschlichem Leid oder Glück denkt. Einzelschicksale sind ihm gleichgültig. Menschen sind für ihn Material. Als Soldaten, die an der Front verheizt werden. Oder als demografischer Zugewinn für sein Imperium, den er sich von einer Eroberung der Ukraine erhofft.

Bedenkt man all dies, dann erübrigt sich die Frage an die Seite der Verteidiger, ob es das wert ist. Die Führung in Kiew hatte vor einem Jahr nur die Wahl, den Kampf aufzunehmen oder sich einer russischen Terrorherrschaft zu ergeben. Um es unmissverständlich zu sagen: Die Waffen niederzulegen, hieße, den Mörder gewähren lassen.

Fotos  Ukraine-Krieg: Evgeniy Maloletka - Kriegszeuge mit Kamera
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Bilder des Krieges – Evgeniy Maloletka dokumentiert das Grauen

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Foto: dpa/Evgeniy Maloletka

Allerdings kann die Befreiung, wenn überhaupt, nur mit westlicher Waffenhilfe gelingen. Genau deshalb sind Europäer und Amerikaner in der Pflicht, diese Unterstützung zu leisten. Und zwar dauerhaft. Bis Putin in seinem imperialen Wahn anders zu rechnen beginnt – wenn ihm schon die Menschen egal sind.

Anmerkung der Redaktion: Diesen Artikel haben wir bereits am 10. Februar 2023 veröffentlicht. Wir haben ihn aktualisiert und bieten ihn aufgrund der aktuellen Geschehnisse noch einmal zum Lesen an.

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