Angriffskrieg gegen Ukraine G7-Staaten wollen Export russischer Diamanten einschränken

Hiroshima · Die G7-Staaten überlegen weiter, wie sie die Exporterlöse Russlands einschränken können. Nach Öl und Gold folgen nun Diamanten. Eine wichtige Frage ist allerdings noch ungeklärt.

Das Logo des G7-Gipfel in Hiroshima.

Das Logo des G7-Gipfel in Hiroshima.

Foto: AFP/LUDOVIC MARIN

Die Gruppe der führenden demokratischen Industrienationen will den milliardenschweren Export von Rohdiamanten aus Russland einschränken. Eine entsprechende Erklärung soll beim G7-Gipfel im japanischen Hiroshima beschlossen werden soll, wie mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag sagten.

Die Maßnahme ist eine weitere Reaktion der G7 auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ziel ist es, die Einnahmen des Landes zu verringern und damit dessen Fähigkeiten zur Kriegsführung einzuschränken.

Der Diamantenhandel ist für Russland ein wichtiger Wirtschaftszweig und eine nennenswerte Einkommensquelle. 2021. Im letzten Jahr, in dem der staatliche Diamantenförderer Alrosa seine Zahlen offenlegte, erzielte das Unternehmen 332 Milliarden Rubel (rund 4 Milliarden Euro) Einnahmen. Russland gilt als weltweit größter Produzent von Rohdiamanten.

Bislang hat die EU den Handel allerdings nicht eingeschränkt. Als ein Grund galt bislang unter anderem der Widerstand aus Belgien. Die flämische Hafenstadt Antwerpen gilt seit dem 16. Jahrhundert als Diamantenzentrum der Welt.

Die USA, Kanada und Großbritannien hatten Sanktionen gegen Alrosa verhängt. Nach Angaben des scheidenden Alrosa-Generaldirektors Sergej Iwanow – Sohn des gleichnamigen Ex-Verteidigungsministers und engen Vertrauten von Kremlchef Wladimir Putin – hat das dem Geschäft des Konzerns aber kaum geschadet. Der Plan für 2022 sei übererfüllt worden, auch das erste Quartal 2023 gut verlaufen.

Iwanow zeigte sich optimistisch, dass neue Sanktionen nicht greifen werden. „Man kann uns nicht ersetzen“, immerhin belaufe sich der Anteil Alrosas am weltweiten Diamantenhandel auf etwa 30 Prozent, sagte Iwanow in einem Interview mit der Tageszeitung „Kommersant“. Den vorherigen Beschränkungen etwa beim Ankauf von westlicher Fördertechnik oder bei Bankendienstleistungen sei Alrosa durch die Umstellung auf andere Dienstleister begegnet.

Details zu den neuen G7-Plänen nannten die Diplomaten am Donnerstag zunächst nicht. Ein ranghoher Vertreter räumte lediglich ein, dass Details noch geklärt werden müssten. So ist beispielsweise unklar, wie Indien zumindest zu einer indirekten Beteiligung bewegt werden soll. Nach Angaben aus Moskau werden dort sehr viele Diamanten geschliffen und das Land beteiligt sich bislang nicht an den Sanktionen der G7.

Die „Gruppe der Sieben“ (G7) ist eine informelle Allianz führender demokratischer Industrienationen. Die Mitglieder sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA sowie die EU. Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs beginnt am Freitag. Im Fokus stehen neben dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine auch der Umgang mit China und der Klimaschutz.

(hebu/dpa)