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Krieg in der Ukraine: Nord Stream 1 - Polen fordert aus, Eon lehnt ab

Polen fordert Stopp für laufende Pipeline : Eon lehnt Aus von Nord Stream 1 ab

Polen fordert nach dem Stopp von Nord Stream 2 auch das Ende von Nord Stream 1. Das würde Eon treffen – und Deutschland vor ein großes Problem stellen. 37 Prozent des deutschen Gasimports laufen durch diese Röhre. Auch der Druck auf Gerhard Schröder wächst.

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki gehen die Sanktionen gegen Russland nicht weit genug: Nach dem Stopp von Nord Stream 2 müsse auch Nord Stream 1 stillgelegt werden, forderte er am Samstag. Er sprach von einem „steinernen Egoismus“, den Deutschland habe.

Ein Stopp hätte gravierende Folgen: Nord Stream 1 ist seit 2011 in Betrieb und verläuft vom russischen Wyborg nach Lubmin in Vorpommern. Deutschland bezieht 37 Prozent seiner Gas-Importe allein aus Nord Stream 1, wie das NRW-Wirtschaftsministerium erklärte. Und Russland wird sein Gas kaum auf andere Pipelines umleiten, wenn Deutschland Nord Stream 1 dicht macht. Wichtige andere Pipelines sind etwa Jamal und Druschba.

Eigentümer ist die Nord Stream AG, die wiederum im Besitz ist von Gazprom (51 Prozent), Wintershall Dea und Eon (mit je 15,5 Prozent), Gasunie und Engie (je neun Prozent). Der Essener Konzern hat seine Anteile in sein Pensionsvermögen eingebracht. „Die Beteiligung ist für uns eine historische und keine strategische Beteiligung“, erklärte der Eon-Sprecher. Eon setzt darauf, dass Polen sich mit seiner Forderung nicht durchsetzt: „Insgesamt sehen wir Nord Stream 1 regulatorisch vollkommen unterschiedlich zu den laufenden Diskussionen um die Nord Stream 2-Leitung, an der wir als Eon nicht beteiligt sind. Bei Nord Stream 1 handelt es sich um eine genehmigte und voll operative Gasimportleitung“, so der Eon-Sprecher. Zugleich betonte er: „Wir bekommen eine feste Vergütung auf das investierte Kapital, unabhängig davon, wie viel Erdgas tatsächlich durchgeleitet wird.“ Laut Nord Stream 1 seien die Kapazitäten in den vergangenen beiden Jahren ausgelastet gewesen.

Das sind die EU-Sanktionen gegen Russland

Nord Stream 2 verläuft nahezu parallel zu Nord Stream 1 - und ist das große Problem des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper, früher eine Eon-Tochter. Eigentümer der umstrittenen, noch nicht in Betrieb befindlichen Röhre ist Gazprom über die Nord Stream 2 AG. Diese wiederum hat sich von den westlichen Unternehmen Engie, OMV, Shell, Wintershall Dea und Uniper Kredite geben lassen: Allein Uniper hat als Finanzinvestor 950 Millionen Euro im Feuer. Die müsste Uniper bei einem Aus abschreiben.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mischt bei beiden Röhren mit: Er ist Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Nord Stream AG und Präsident des Verwaltungsrats bei der Nord Stream 2 AG. Außerdem ist er Aufsichtsratschef beim russischen Energiekonzern Rosneft. Und er ist nominiert als Aufsichtsrat für den Gazprom-Konzern, die Hauptversammlung im Juni soll ihn küren. Seit Tagen fordern Parteifreunde und Oppositionspolitiker, dass Schröder seine Ämter niederlegt. „Rosneft und Gazprom sind nun Infrastruktur eines blutigen Angriffskrieges", twitterte SPD-Co-Chefin Saskia Esken am Wochenende. „Mit seinen dortigen Mandaten schadet Gerhard Schröder dem Ansehen Deutschlands und der Sozialdemokratie. Geschäfte mit einem Kriegstreiber sind mit der Rolle eines Altkanzlers unvereinbar."