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Kopenhagen - Helle Thorning-Schmidt macht Dänemark Mut

Anschläge von Kopenhagen : Zehntausende Dänen demonstrieren für die Freiheit

Nach den Anschlägen in Kopenhagen haben zehntausende Menschen in der dänischen Hauptstadt die Opfer gewürdigt und ein Zeichen gegen Gewalt gesetzt. Hinter den Kulissen helfen Agenten des FBI bei den Ermittlungen.

Nach Angaben der Polizei gingen rund 30.000 Menschen am Montagabend in der Innenstadt auf die Straße, hielten Kerzen in den Händen und legten Blumen an den Tatorten nieder. US-Präsident Barack Obama sicherte Dänemark die Unterstützung seiner Regierung zu.

"Heute will ich allen dänischen Juden sagen: Ihr seid nicht allein. Ein Angriff auf die Juden Dänemarks ist ein Angriff auf Dänemark - auf uns alle", rief die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt bei der Kundgebung am Abend der Menge zu. Alle Dänen wollten "frei leben in Sicherheit in einem demokratischen Land". Eine stärkere Gemeinschaft werde immer die Antwort auf den Versuch sein, "uns Angst zu machen und uns zu spalten", sagte Thorning-Schmidt.

In Kopenhagen hatte am Wochenende ein 22-Jähriger ein Kulturzentrum und eine Synagoge angegriffen und dabei zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Der Angriff auf das Kulturzentrum galt mutmaßlich dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks. Der Täter, Medienberichten zufolge ein palästinensischstämmiger Däne, wurde am Sonntagmorgen von der Polizei erschossen. Auch dort, wo er starb, legten Kopenhagener Bürger am Montag Blumen nieder.

Am Abend kamen vier junge Männer mit Kapuzen und bedeckten Gesichtern zu dem Ort und räumten die Blumen weg, da es "nicht dem Islam entspricht", Blumen für Tote niederzulegen. "Das war ein guter Mann", sagte einer der Männer über den Täter. "Das war kein Terrorist. Die Terroristen sind Dänemark, die USA und Israel."

Bei der Kundgebung hielten einige Menschen am Abend auch eine französische Flagge und Schilder mit der Aufschrift "Ich bin Däne" in den Händen. Damit erinnerten sie an die Anschläge in Paris Anfang Januar. Nach dem tödlichen Attentat auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" war der Slogan "Ich bin Charlie" weltweit aufgegriffen worden. Bei der Anschlagsserie war auch ein jüdischer Supermarkt ins Visier geraten.

Obama telefonierte nach Angaben des Weißen Hauses am Montag mit Thorning-Schmidt und zeigte sich solidarisch mit dem "dänischen Verbündeten". Beide Politiker seien sich in dem Gespräch über die Notwendigkeit einig gewesen, im Kampf gegen "Angriffe auf die Meinungsfreiheit und gegen antisemitische Gewalt zusammenzuarbeiten", hieß es.

Nach Angaben eines US-Vertreters hilft die Bundespolizei FBI den dänischen Behörden bei den Ermittlungen zu den Angriffen - wie genau, blieb aber unklar. Am Montag wurden bereits zwei mutmaßliche Helfer des Attentäters festgenommen, die Suche nach weiteren Komplizen oder Mitwissern dauert an.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, ermunterte die Juden in Deutschland unterdessen, im Land zu bleiben. Er sehe derzeit "keinen Grund, warum Juden Deutschland verlassen sollten", sagte er der "Berliner Zeitung" vom Dienstag. Die Angst vor Terroranschlägen dürfe zumindest kein Grund sein.

Ebenso wie zuvor bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie die dänische und die französische Regierung reagierte Schuster damit auf Aufrufe des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu zur Auswanderung nach Israel.

(AFP)