Kommentar zur Geheimdienstaffäre um Donald Trump

Kommentar zu Trump : Der nächste böse Verdacht

Noch ist nichts erwiesen, doch der Verdacht steht im Raum. Donald Trump soll den ukrainischen Präsidenten, politisch ein Seiteneinsteiger wie er, zu Ermittlungen gedrängt haben, aus denen er Kapital zu schlagen hofft.

Um Munition für den anstehenden Wahlkampf zu sammeln, soll er Wolodimir Selenskij gebeten haben, angebliche Korruptionsvorwürfe gegen Joe Bidens jüngsten Sohn genauer unter die Lupe nehmen zu lassen. Vorwürfe gegen Hunter Biden, der jahrelang im Aufsichtsrat eines in der Ukraine tätigen Erdgaskonzerns saß.

Das Motiv liegt auf der Hand. Nach jetzigem Stand könnte Biden senior den Kandidatenwettlauf der Demokraten gewinnen, womit er gegen den Amtsinhaber ums Weiße Haus kämpfen würde. Falls es so kommt, will Trump, der Meister der Schlammschlacht, Dreck in Reserve haben. Wer sich daran erinnert, wie ungeniert er 2016 jene „Sperrt sie ein“-Sprechchöre anstimmen ließ, mit denen er Hillary Clinton zur Kriminellen stempelte, den dürfte kaum überraschen, wenn Trump auch 2020 auf sämtliche Anstandsregeln pfeift. Dass er die Außenpolitik der Vereinigten Staaten vermengt mit seinen eigenen Anliegen, auch das wäre nicht neu.

Wie gesagt, einstweilen fehlen die Belege, um von einem Skandal zu reden. Ob Trump in eine schwere Krise stürzt, nachdem ein Whistleblower unter den Schlapphüten Alarm geschlagen hat, vermag ein Außenstehender mit dem Wissen von heute seriös nicht zu beurteilen. Zumal sich oft wiederholte Prognosen, nach denen er seines Amtes enthoben wird, bisher bekanntlich als falsch erwiesen. Nur lässt der Eifer, mit dem Trumps Kabinett zu verhindern versucht, dass der Kongress etwas von den Beobachtungen eines alarmierten Geheimdienstlers erfährt, wohl nur einen Schluss zu: Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Mehr von RP ONLINE