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Kommentar zum Absturz: Die Wahrheit über Flug PS 752 muss ans Licht

Kommentar zum Absturz : Die Wahrheit über Flug PS 752 muss ans Licht

Im Augenblick wird die Diskussion über die Ursache des Absturzes eines ukrainischen Passagierjets in Teheran, der alle 176 Insassen das Leben kostete, noch vorsichtig im Konjunktiv geführt. Und das ist auch richtig so.

Einer seriösen Untersuchung des Crashs sollte man nicht vorgreifen. Was allerdings voraussetzt, dass es eine unabhängige Spurensicherung gibt. Dass die iranischen Behörden offenbar hastig mit der Räumung der Absturzstelle begonnen haben und den Flugschreiber nicht an den Flugzeughersteller Boeing aushändigen wollen, wie es in solchen Fällen üblich ist, stimmt jedoch skeptisch. Immerhin wollen die Iraner jetzt auch ausländische Experten an der Untersuchung beteiligen. Sollten die zu dem Schluss kommen, dass eine Rakete das Flugzeug traf, wird sich das kaum vertuschen lassen.

Der Vorfall weckt natürlich Erinnerungen an Flug MH17 in der Ostukraine. Auch dort wurde im Juli 2014 ein Passagierflugzeug über einem Krisengebiet abgeschossen. Ein internationales Ermittlerteam trug erdrückende Beweise dafür zusammen, dass der Jet der Malaysia Airlines von einer russischen Raketeneinheit abgeschossen wurde – vermutlich irrtümlich, weil er für ein ukrainisches Flugzeug gehalten wurde. Trotzdem bestreitet der Kreml bis heute jede Verantwortung für den Tod der 298 Menschen an Bord. Wäre dies doch ein Eingeständnis dessen, was Moskau bis heute leugnet: dass reguläre russische Truppen Krieg im Nachbarland führen. Gut möglich, dass auch der Iran niemals offiziell einräumen wird, dass seine Flugabwehr in der allgemeinen Nervosität nach dem iranischen Angriff auf US-Stützpunkte im Irak irrtümlich einen zivilen Jet vom Himmel geholt hat. Aus der Perspektive der Propagandisten wäre das zwar naheliegend – aus der Sicht der Hinterbliebenen wäre es eine Tragödie. Sie haben ein Anrecht auf die Wahrheit.